…die den Dämon bezwang…

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…die den Dämon bezwang… | story.one

Der Battery Park war schon oft eine Art Zufluchtsort für mich gewesen.

Auch heute. Die Südspitze von Manhattan ist dort wunderschön begrünt und die Sicht ist phänomenal. Die Statue der Freiheit winkte aus der Ferne mit ihrem Flammenlicht und auch in mir brannte das Feuer des Zornes und der Wut. Was hatten Sie nur gemacht mit mir …? Mehr als zwei lange Jahre war ich Spielball der Männer einer der größten, gefährlichsten Organisationen der Welt gewesen. Warum? Warum ich? Warum überhaupt?

Ich wusste genau, dass Mickeys Männer, oder gar er selbst, mich beobachteten, mich überwachten, ich keinen Schritt ohne „Begleitung“ machen konnte und egal, wo ich hier zu leben gedachte, immer deren Blickfeld auf mich gerichtet sein würde. Mickey würde mich nicht so einfach gehen lassen. Nicht nach allem, was gewesen war. Nicht nach allem, was ich jetzt wusste. Die Familie vergisst nie … nie kann man sie verlassen…

Wieder packte mich schiere Verzweiflung und ich ergriff mein Handy, um meinen Bruder in Österreich anzurufen… ich würde heimkehren. Mit dem Telefon in der Hand und tränenüberströmtem Gesicht telefonierend, ging ich Richtung Hudson River… der Fluss zog mich magisch an. In diesem Augenblick stieß ich mit einem uniformierten Mann zusammen. Er redete mich nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch an. Er dürfte mich mit meinem Bruder sprechen gehört haben…

„Mädl,“ sagte er, „aufpassen… kann ich helfen?“ Verdutzt blickte ich ihn an. Träumte ich? Das Gespräch mit meinem Bruder beendend, wandte ich mich an den blonden, großen Mann, der mir sogar ein leichtes Lächeln entlocken konnte. Die Uniform, die er trug, war jene, die die New Yorker als die „New York’s Bravest“ bezeichnen, jene, die seit 9/11 eine Institution in Manhattan geworden war, jene, die jeder hier liebte und verehrte... jene der New Yorker Feuerwehr.

„Was macht ein Landsmann bei den York‘ s Bravest?“ fragte ich verdutzt. „OK“, das Fräulein hat sich wieder eingekriegt“, lächelte er zurück… „ Sie kann schon wieder denken… nein, ich bin Deutscher und Sie sicher keine solche, so wie Ihr Dialekt klingt. Österreicherin? Ja, was macht denn eine zarte, kleine Frau hier in Manhattan… könnte ich genauso fragen…?“ Der Blondschopf lächelte noch. Und er fragte. Vieles… bald wusste er einen Teil meiner Geschichte… meiner Geschichten. Wusste von meinen Freuden, Sorgen, meinen Freunden. Bald wusste Franz, der Grisu von Manhattan, wie ich ihn später oft neckte, warum ich in Little Italy lebte, in einer Dachgeschosswohnung, die, wie er meinte, sich kein normaler Bürger leisten konnte…. „Warum du“, fragte er…. Und stellte fest, dass ich ihm nicht alles erzählt hatte...

Einen letzten Blick warf ich auf das glastragende Gebäude, dass das Headquarter der Cosa Nostra darstellte und einen zweiten auf die Statue of Liberty… und da wurde mir klar, dass ich nicht heimkehren musste, dass ich nicht zu fliehen brauchte: Die Stadt, die ich so sehr liebte, hatte mir ihre Engel gesandt…. The Bravest...

© Herzchen