…die die Brooklyn Bridge überquerte…

Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nie.

Der Moment, als es schwarz um mich wurde und ich das Bewusstsein verlor war kein solcher. Auch nicht die Momente im Krankenhaus, als ich Stimmen hörte und mir dazwischen träumte, dass mich wieder ein Schulbus rammte, waren keine solchen. Auch nicht jene, als ich zeitweise Lichter sah und glaubte zu erkennen. Manchmal fielen Worte wie: Cosa Nostra und Capo… und ich versuchte zuzuordnen was damit gemeint war…

Momente, in denen ich spürte wieder leben zu wollten und Momente, in denen ich das lieber nicht mehr wollte. Momente mit Dunkelheit waren mir am liebsten. Vergessen… vergessen… vergessen. Der Moment als ich die Augen und Ohren wieder öffnete und bereit war weiterzumachen, weiterzukämpfen… weiterzuleben… war auch kein solcher Moment.

Aber als ich die geschützte Privatsphäre der Klinik verließ traf mich ein solcher Moment … je. Jetzt erst wurde mir klar, dass ich Mickey auf der Brooklyn Bridge gesehen hatte… Mickey. Mit Tränen in den Augen wurde mir umso mehr bewusst, dass dies nicht sein konnte.

Mickey war tot. Vom Lastwagen an die Wand geschleudert. Begraben am ältesten Friedhof von Manhattan. Hatte ich geträumt? In meinem Verlust und Schmerz um Sam… Halluzinationen? Spielte die Mafia mit mir? War es ein Doppelgänger? Fragen, Fragen, Fragen… Bald schmerzte mein Kopf. Auch noch als Gabriella mir liebevoll die Haare wusch, mich stylte und wir beschlossen einen schönen Abend endlich wieder „in Freiheit“, wie sie es nannte, zu verbringen.

Ich hatte eigentlich keine Lust, ließ mich aber dann doch überreden. Wir gingen in unser Lieblingslokal in Greenwich, in Rosemarys Bar und ich versuchte im Laufe des Abends vorsichtig mit ihr über all die Dinge zu reden, die mir gerade passiert waren. Gabriella war seltsam verschlossen und letztlich meinte sie, dass ich es lassen sollte. „Vergiss alles Mary… sonst verlierst du noch den Verstand… und das, bei Gott, würde ich nur allzu gut verstehen. Du hast ja auch nicht umsonst das Bewusstsein verloren. Irgendwann kann der Mensch nicht mehr. So war es bei dir, Mary. Es war dir zu viel. Du warst drei Wochen einfach weg. Wir dachten du willst nicht mehr zu uns zurück. Mary, wir aber, wir lieben dich! Denke daran! Sieh nach vorne. Alles wird wieder. Die Zeit heilt. Du wirst sehen, Mary“, sagte sie voll Liebe und nahm dabei meine Hand. Mir liefen schon wieder die Tränen die Wangen hinunter und ich wusste, dass diese Zeit noch eine sehr lange sein würde…

Als wir das Lokal verließen und Richtung Gabriellas Wohnung gehen wollten, ich schlief jetzt vorläufig bei ihr und Gerad, hielt ein gelbes Taxi neben uns. Es war Mark, ein Freund von Mandy, dem verstorbenen Sohn vom Capo… von meinem Mandy, meinem Ex-Freund. Zuerst wollten wir weitergehen, als Mark uns laut nachrief, dass wir doch bitte einsteigen sollten, er sei zu unserem Schutz da.

Wieso brauchten wir Schutz? In diesem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher, als wieder das Bewusstsein zu verlieren…

© Herzchen