Die Radfahrerin

An einem schönen Sommernachmittag ging ich durch die Stadt. Von der Linzergasse aus über das Platzl, wo sich dann zur Staatsbrücke hin die Sicht auf den Mönchsberg und die Altstadt eröffnet, gelang ich auf die Staatsbrücke in Richtung Rathausbogen. Mir fiel eine ältere, elegant gekleidete Dame auf, die mit ihrem Fahrrad - ebenfalls von der Linzer Gasse kommend - sich anschickte die Staatsbrücke zu überqueren. Nach dem sich die Radfahrerin zunächst vorschriftsmäßig am rechten Straßenrand auf der Staatsbrücke fortbewegte, war nichts besonderes zu erkennen. Hinter der radelnden Frau fuhr ein Polizeiauto mit zwei Uniformierten. Ganz unvermittelt - ohne irgendein Handzeichen zu geben - wechselte die Dame die Spur zum Linksabbiegen und die Polizisten, die gerade zum Überholvorgang ansetzten, wurden dadurch zum abrupten Abbremsen gezwungen. Daraufhin ertönte über den Lautsprecher des Polizeiautos die Stimme des Beifahrers: "Heast! Können sie kein Handzeichen geben!!!". Die Radfahrerin erschrak dermaßen darüber, dass sie einen Sturz gerade noch verhindern konnte. Die Fußgänger, die gerade die Staatsbrücke überquerten, beobachteten diese Szenerie begeistert und amüsiert. Es wurde gelacht, den Polizisten mit lauten "Bravo-Rufen" zugeklatscht und unverhohlen die Sympathie über diese Zurechtweisung durch die Gesetzeshüter geteilt. Ich für meine Person war ebenfalls amüsiert und musste vor lauter Lachen stehenbleiben. Die Radfahrerin selbst verschwand schnell und schimpfender Weise auf der anderen Salzachseite.

© Hofajack