Yuki(japanisch), Schneeprinzessin

Clemens wollte schon immer ein Haustier, einen Labrador. Schwierig, weil wir keinen Zaun hatten.

Nach seinen fünf Jahren als Wiener Sängerknabe war er plötzlich auch mit einer Katze zufrieden. Das ging! Im Yspertal hatte eine Katzenmama ihre Jungen vier Wochen versteckt - dementsprechend waren die Katzenkids verschreckt.

Doch Clemens fand sofort seine Yuki, es war Liebe auf den ersten Blick. Sie kam zu uns ins Haus. Etwas traurig nur war sie am ersten Tag, verkroch sich hinter dem Piano. Schon tags darauf fand sie Vertrauen zu uns und ist bis heute eine ganz treue, liebe, anschmiegsame, schnurrende Katze. Vif, neugierig, eigensinnig.

Yuki hat ein einziges Probem: den Vormittag. Liegt sie sonst stundenlang auf einem warmen, sonnigen Plätzchen, weiß sie jetzt absolut nicht, was sie will. Im Minutentakt hinaus - herein - hinaus - herein. Ohne Katzenklappe heißt das für uns, also meist für mich: Tür auf - Tür zu - auf - zu - usw. Gestern, ich sitze gerade am Örtchen, höre ich ein Scheppern der Jalousie: Yuki schiebt sie mit ihrer Schnauze beiseite, klettert durch und springt vom Fensterbrett herunter. Sie schaut mich an: Mach mir die Tür auf! Bei mir geht das gerade nicht. Da dreht sie sich um, duckt sich und visiert das Fensterbrett an: Ich sehe das Abschätzen in ihren Augen, das Maß nehmen - ein Meter Höhe! - und ihren konzentrierten, entschlossenen Blick.

Tatsächlich setzt sie zum Sprung an - und ist mit einem Satz oben. Retour durch die Jalousie, und weg ist sie! Das Ganze: eine Angelegenheit von zehn Sekunden!

© Hubert