A great walk

Australien. Red Center - der Ayers Rock (oder Uluru, wie die Einheimischen sagen), die roten Felsformationen der Olgas (oder Kata Tjuta, wie die Einheimischen sagen) und die äußerst unhübsche Hotelstadt dazwischen in Yulara (die Einheimischen sagen wohl auch Yulara). Wir mittendrin, auf einem Trip quer durch den fünften Kontinent.

Die roten Steine zu besichtigen, komplett mit Sunrise und Sunset, ein Dinner unter den Sternen - das ist das Standardprogramm. Millionen von Touristen machen das. Wir natürlich auch.

Was aber schon im Vorfeld die meiste Faszination auf uns ausübte, was uns als begeisterte Bergwanderer am meisten herausforderte: den Uluru zu besteigen. Ein wenig Recherche im Internet brachte zutage: in ein paar Stunden ist man am Gipfel, es gibt keine ausgesetzten und gefährlichen Wegstellen, der Weg ist unverfehlbar - einzig eine gute Vorbereitung wäre Pflicht, genug Wasser, Proviant, Sonnenschutz - also eigentlich kein Problem. Schwierig nur das Timing: unser Flug nach Sydney geht schon am nächsten Abend. Also nur eine einzige Chance, dem Ayers Rock auf's Haupt zu steigen.

Gesagt, getan: eine akribische Vorbereitung startet. Wir finden den genauen Startpunkt der Wanderung heraus. Das ist gar nicht einfach, denn die Einheimischen halten sich sehr bedeckt. Das Besteigen des Ulurus ist eigentlich unerwünscht, da er für die Aborigines eine heilige Stätte darstellt. Der "Climb" wird toleriert und ist nicht verboten, aber eine genaue Auskunft über den Weg selbst will uns keiner geben. Der behütete Nationalparkmitarbeiter an der Info-Theke lächelt verschwörerisch und sagt auf jede Frage nur "I really don't know." Wir verstehen das zwar nicht so ganz, aber es hält uns nicht auf - wir sind ja Abenteurer, und Dr. Google hilft auch gerne weiter (wenn nur die Roaming-Kosten nicht wären).

Dann ab zum Supermarkt. In Yulara gibt's nur einen, der hat das Quasi-Monopol auf Lebensmittel. Die Preisgestaltung ist entsprechend: eine Flasche Wasser kostet fast 20 Dollar. Egal, ohne geht's nicht. Auch Jause kaufen wir, dann wird gepackt: Mückenschutz, Sonnenbrille, Hut, Jacke, Wechsel-Shirts, gefühlt verzichten wir nur auf Steigeisen und Eispickel. Dann früh ins Bett, denn der Wecker läutet schon um 04:00 Uhr früh. Ab ins Mietauto und zum Startpunkt gefahren, voll motiviert, voller Aufregung und Freude über das Abenteuer, bereit zum losmarschieren.

Dann das Schild: "Climb closed due to severe weather conditions."

Das Wetter ist perfekt. Kein Wind, keine starke Hitze. Keine Wolke am Himmel. Und wir verstehen erst jetzt: es ist wirklich wichtig für die Aborigines, dass der Uluru nicht bestiegen wird. Es ist ein einmaliges Stück Erde, kein x-beliebiger Berg - heiliges Land, und sie möchten nicht, dass sich Menschen verletzen oder gar sterben, wenn sie auf den Uluru steigen. Wir respektieren den Wunsch der Aborigines.

Wir wandern einfach rund um den Uluru. Es ist eine der schönsten Wanderungen unseres Lebens.

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