Happy End

Der Regen kommt über die Schmitten. Tiefhängende Wolken verwehren den Blick auf den Berg. Sie ziehen sich hinab bis ins Schmittental und bleiben an der Mittelstation hängen. Der See ist grau, kleine Wellen werden durch den Nordwind ans Südufer getrieben. Kalt und nass ist der Ausblick aus dem Fenster. Die Regentropfen finden keinen Weg an die Fensterscheiben. Die weit überstehenden Balkone schützen vor der Feuchtigkeit. Nur die Blumenpracht in den Balkonkästen ertrinkt in der Regenflut. Hinter den Fenstern warten die Gäste auf besseres Wetter. Der Juli verspricht es, er hält sein Versprechen nicht. Die Feuchte und Kälte zieht durch die Sommergarderobe. Die Fleece-Jacke wärmt auch im Sommer. Lesen und schlafen sind die jetzt angesagten Beschäftigungen. Aber die Wetterprognose macht keine Hoffnung. Das Wetter passt zur Gemütslage. Warum bin ich alleine hier? Unsere Lebensrhythmen passen nicht zusammen. Zeit miteinander verbringen nur, wenn der Terminkalender es zulässt. Bedräng mich nicht und akzeptier` meine Lebensauffassung. Erwarte und verlange nichts von mir! Meine Träume und Vorstellungen verschwinden im Regengrau der Berge. Sinnentleert betrachte ich die weißen Wände meines Zimmers. Ich muss raus, raus an die frische Bergluft. Von den Bäumen der Lindenallee tropfen die Regentropfen in mein Gesicht. Das ist gut für den Teint! Der Thumersbach rast schlammig vom Berg hinab zum See. Am Ufer ist es menschenleer. Das Bootshaus an der Anlegestelle schützt vor Regen. Die Überfahrt fährt im Sommer bei fast jedem Wetter, so auch jetzt. Aber niemand steigt ein. Auf der Bank im Anlegehäuschen kann ich meinen Gedanken nachhängen. Wie gerne wäre ich jetzt hier mit dir zusammen. Wie gerne würde ich dich spüren, mit dir reden,streiten, lachen und Zeit verbringen. Ich wünsche mir das seit so langer Zeit schon, aber unsere Lebenswege führen uns nur hin und wieder zusammen. Unser Zusammensein ist wie nach Hause kommen. Jedes Mal, wenn es wieder zu Ende geht, schmerzt es, als wäre es das erste und einzige Mal. Aber es ist sicher besser, sich von einer Sehnsucht zu befreien, die sich nicht erfüllen wird. Von einer Illusion kann man nicht leben. Dennoch weiß ich, dass mich diese eine Liebe immer begleiten wird. Sie ist ein Teil von mir. Die kalte Regenluft kühlt die Gefühle. Die Melancholie verfliegt und mischt sich mit dem Grau über dem See. Die Realität holt mich schnell ein. Mir ist kalt, ich bin nass und ich habe Hunger. Thumersbach im Sommer. Eine Liebe mit happy end ist keine Liebe.

© Ida_Gebauer