Ein Wink der Götter

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Ein Wink der Götter | story.one

Vor mir posiert eine der Hauptattraktionen der Stadt, das große Riesenrad von Yokohama - Cosmoworld.

Ich sage nur "Vergnügungspark!

Ein überschaubarer Ort des Nervenkitzels auf einer Insel im Hafen. Die Attraktionen laufen auf Halbmast, die Besucher kann ich von hier an einer Hand abzählen. Meine Augen werden groß. Die Wartezeiten beschränken sich jeweils auf nur ein paar Minuten.

Nach 20 Minuten bin ich durch - und hungrig.

Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Einkaufszentrum, dort gibt es sicher was zu Essen.

Beim Betreten fällt mir ein kleines Geschäft auf, das die Herzen von Esoterik-fans höher schlagen lassen würde. Kleine Holzmasken japanischer Fabelwesen (Yokai), Steinschmuck, Räucherstäbchen etc. werden angeboten. Esoterik ja, Kitsch - nein.

Mein Magen muss warten.

Da ich mir sowieso ein japanisches Windspiel (Furin) als Andenken mitnehmen möchte kommt mir dieses Geschäft ganz gelegen. Den Rucksack fest an mich gepresst zwänge ich mich durch die engen Gänge. Fächer und Glücksbringer (Omamori) in jeder Farbe zur Linken, eine riesige Auswahl an Räucherstäbchen, -kegel und -blättchen zur Rechten. Aus den Lautsprechern düdelt leise Entspannungsmusik begleitet von den Windspielen, angetrieben von Ventilatoren, über mir.

Im letzten Winkel des Geschäfts, zieht ein kleiner Tisch seine Aufmerksamkeit auf sich. Auf ihm befinden sich drei Orakel-Kartensets. Japanische Götter und Göttinnen steht in krakeliger Schrift auf englisch am Cover, und eine offene Packung zur Ansicht aller Karten liegt daneben bereit. Mir gefällt das Design der Karten. Schlicht, aber hübsch.

Ich nehme den Stapel in die Hand und schau ein bisschen durch. Sie gefallen mir ganz gut, aber als rationaler, kopflastiger Mensch, was mach ich damit?

Mein leichter Hang zum Aberglauben und die Überzeugung, dass es ab und zu Zeichen gibt auf die man hören sollte, melden sich zu Wort. Sie werden aber gleich wieder zum Verstummen gebracht und die Karten zurück gelegt. Brauch ich nicht!

Beim Durchsehen der Karten habe ich sie anscheinend gemischt und eine andere liegt nun oben auf.

"Kotoshironushi-no-Kami" ein Dicker Gott mit Fächer auf einem Fisch lächelt mich an - aha, erm...Hallo!

Kurzes Zögern.

Na gut, schauen wir halt nach...

Das kleine Büchlein, zum Glück auf Englisch verfasst, erklärt die Bedeutung der einzelnen Karten.

Auf der Seite von Kotoshironushi-no-Kami:

"Atme durch, ich garantiere dir eine sichere Reise. Hab keine Eile. [...] Nimm dir selbst Zeit, irgendwann geht deine Reise zu Ende. Sei dankbar für die Zeit die du hast und genieße den Rest der Reise [...]"

"Wenn ein Buch deine Aufmerksamkeit auf sich zieht, nimm es mit, auch wenn es ein Comic oder ähnliches ist. Es ist Zeit neues zu lernen."

Rational hin oder her, DAS ist ein Zeichen!

Ich kaufe mir die Karten.

Ab jetzt werde ich auf meiner Reise von den japanischen Göttern begleitet.

© Ikaruz 30.11.2019