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#fremdewelten

Ein Wochenende in einer anderen Zeit

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Ein Wochenende in einer anderen Zeit | story.one

Kinosaki-Onsen. Es schüttet wie aus Kübeln.

Am Bahnhof schieben zwei junge Männer gemütlich ihre großen Koffer vor sich hin. Einer der Männer bin ich, der andere ein guter Freund. Er begleitet mich auf meinem derzeitigen Reiseabschnitt. Ein kleiner Shuttlebus wartet vor dem Bahnhof und bringt uns in gerade mal fünf Minuten zum Hotel.

Wir haben uns für ein traditionelles japanisches Gästehaus (Ryokan) entschieden. Wir können sofort einchecken und werden Chihiro vorgestellt. Sie ist unsere "Kammerdienerin" und wird uns Essen servieren, die Futons herrichten und für unser Wohl sorgen.

Chihiro bringt uns auf unser Tatami Zimmer. Sie informiert uns über die Essenszeiten und Benutzung der hauseigenen Baderäume und übergibt uns das Badegewand (Yukata) des Hotels.

In einem japanischen Badeort verbringt man die meiste Zeit im Yukata, auch auf der Straße.

Es ist später Nachmittag, bereits dunkel und wir wollen uns die Füße vertreten bevor das Abendessen serviert wird.

Die Straße wird von Laternen beleuchtet. Das sanfte Licht spiegelt sich am nassen Boden, der typische Geruch nach dem Regen liegt in der Luft.

Zahlreiche Badegäste sind unterwegs, alle in bunten Yukatas und Holzsandalen (Geta). Das hölzerne Geklapper am Asphalt erinnert mich an zu Hause. Es klingt wie die Fiaker in Wien.

Ein Fluss teilt einen Abschnitt der kleinen Stadt. Das Wasser plätschert leise vor sich hin und ein paar Zikaden schwirren um die Laternen an der nächsten Brücke. Trauerweiden säumen den Fluss.

Wir bleiben vor einer der alten Spielhallen stehen. Hier wird mit einfachen Gewehren auf kleine Tonfiguren geschossen. Als Munition dienen Korken. Ein Mann lehnt soweit über den Tresen, dass er die Figuren schon fast mit dem Gewehr runterstoßen kann. Es gilt trotzdem. Seine Begleitung ist beindruckt, oder tut nur so. Wir schmunzeln.

Nebenan gibt es alte Spielautomaten und Greifhakenmaschinen (UFO Catcher). Ich gewinne dabei ja so gut wie nie, wage aber trotzdem ein paar Runden. Erfolglos, aber es hat Spaß gemacht.

Ein paar Schritte weiter werden Kimonos und Zubehör verkauft, auf der anderen Straßenseite Holzspielzeug. Nicht weit entfernt wird musiziert. Es riecht nach gebratenem Fisch.

Niemand hat ein Handy in der Hand, oder Kopfhörer in den Ohren. Die Menschen unterhalten sich, machen Späße genießen das Leben, ganz ohne Technik.

Pferdegeklapper, schummriges Licht, alte Spielhallen und keine Screens. Es scheint als hätten wir eine vergangene Zeit betreten.

Ich freue mich über diese Erfahrungen und genieße jede Sekunde. Denn Übermorgen reise ich wieder zurück.

Zurück in die Gegenwart.

© Ikaruz 2019-10-28

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