Ich bin zurück (modotte kimashita)

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Der Bus hält. Beim Aussteigen gebe ich meinen Fahrschein beim Fahrer ab und setze meine Kappe auf. Anders als zu Hause brennt die Sonne hier nicht auf die Straßen, es regnet. Obwohl es Mittag ist, ist es angenehm kühl und dicke Wolken bedecken den Himmel.

Vor dem Bus hat bereits ein Angestellter des Shuttle-Services den Kofferraum geöffnet und reiht die nummerierten Gepäckstücke auf. Noch bevor alle Passagiere ausgestiegen sind, stehen Koffer und Taschen bereit, der Kofferraum ist geschlossen und der Bus zur Abfahrt bereit. Das ist sie, die bekannte japanische Effizienz. Eine Tugend ohne die es hier nicht funktionieren würde und die mich meine ganze Reise lang begleiten wird.

Ich befinde mich in Tokyo. Gemeinsam mit mehr als 14 Millionen Einwohnern und unzähligen Touristen. Dieses Mal habe ich mich für ein Hotel im Bezirk Nihombashi entschieden. Ein kleiner Geschäftsbezirk, nicht zentral aber mit guter öffentlicher Anbindung zum Stadtzentrum. Ich schaue mich kurz um, der Hauptbahnhof muss gleich in der Nähe sein. Von dort ist es nur ein Katzensprung zu meinem Hotel.

Dicht gedrängt tanzen durchsichtige und schwarze Regenschirme über den Gehsteig. Darunter Leute in schlichtem Business-Look auf dem Weg zum nächsten Restaurant oder Supermarkt. Mein Magen knurrt.

Ich ziehe meinen Koffer hinter mir nach durch die Menge. Ab und an stoße ich leicht mit jemandem zusammen. Eine kurze gegenseitige Entschuldigung ("Sumimasen") samt Lächeln und alles ist verziehen.

Eine kurze Pause zwecks Orientierung- dort entlang. Die rund 20 Kilo Gepäck machen sich auf dem gepflastertem Gehsteig durch lautes Rumpeln bemerkbar. Ich reise zwar mit leichtem Gepäck, aber mehr als die Hälfte des Koffers ist mit Gastgeschenken (Omiyage) gefüllt. Österreichische Süßigkeiten, Marmelade und Schneekugeln warten darauf morgen, beim Essen mit japanischen Freunden, ausgepackt zu werden.

Keine zehn Minuten später wird mein Koffer im Hotel entgegengenommen, sofort abgetrocknet und der Check-In abgewickelt. In 15 Minuten kann ich mein Zimmer beziehen. Ich entschuldige mich, dass ich früher als geplant angekommen bin. Die Dame an der Rezeption lächelt und entschuldigt sich dafür, dass ich extra auf das Zimmer warten muss. Ich antworte, dass es kein Problem ist (Daijobudesu), sie bedankt sich erneut und lobt mein japanisch.

Einen Kaffee in der Hotellobby später beziehe ich mein Zimmer, nehme eine Dusche und ziehe mir den bereitgelegten Yukata des Hotels an. Bevor ich Essen gehe möchte ich noch etwas rasten. Ich lege mich aufs Bett, schaue aus dem Fenster. Dankbar strecke ich mich aus.

"Jetzt bin ich wieder hier, und ein neues Abenteuer beginnt."

Mein Magen knurrt.

© Ikaruz