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#japan#onsen#tattoo

Im Badehaus sind alle gleich

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Im Badehaus sind alle gleich | story.one

"Wissen Sie..", mein Gegenüber macht eine kurze Pause um die richtigen Worte zu finden "im Badehaus sind alle gleich. Ob Polizist, Verkäuferin, Geschäftsführer oder der Kaiser, ganz egal." Tanaka-san grinst und nimmt einen Bissen von seinem mitgebrachten Sandwich "Deswegen bin ich so gerne hier."

Wir sitzen an einem nicht mal knie-hohen Tisch in einem traditionellem japanischen Badehaus, in den Bergen Sapporos. Wir unterhalten uns jetzt schon fast eine halbe Stunde. Er spricht Englisch, das hilft.

Tanaka-san ist Mitte fünfzig und Angestellter eines marktführenden, japanischen IT-Konzerns. Er muss viel verreisen und spricht deshalb "ein bisschen Englisch" wie er sagt. Ich wünschte mein Japanisch wär halb so gut wie sein Englisch. Heute ist sein letzter Urlaubstag, da möchte er es sich gut gehen lassen.

Er nimmt ein hartgekochtes Ei aus seinem Rucksack und reicht es über den Tisch. "Ich habe auch noch ein Tonkatsu-Sandwich, möchten Sie?" Er hält mir ein eingeschweißtes Toast-Dreieck entgegen. Tonkatsu ist vergleichbar mit einem Schweinsschnitzel, ich lehne dankend ab, und erkläre, dass ich kein Fleisch esse. Ein kurzes "Ich verstehe" als Antwort "aber Huhn ist okay?". Ich verneine.

"Sie waren bereits baden" er deutet auf das leere Milchfläschen neben mir. Wie hier so üblich, habe ich es mir nach einer Stunde im heißen Quellwasser im Ruhebereich gemütlich gemacht, gelesen und Milch getrunken.

"Das erste Mal im Onsen?"

Ich verneine. Während ich das Ei schäle erzähle ich Tanaka-san von meinem ersten Besuch im Badehaus. Vor zwei Jahren hatte ich über Airbnb eine kleine Unterkunft in Osaka gebucht. So klein, dass kein Platz für ein Badezimmer war und der Onsen ums Eck genutzt werden musste. Er lacht als ich davon erzähle, dass ich fast zehn Minuten vor dem Eingang stand, unsicher ob die linke oder rechte Tür für Männer bestimmt ist. Als endlich ein Gast den Onsen verlassen hatte war das Rätsel gelöst. Ich erzähle von der alten Kassiererin, die hinter einem Tresen saß mit zwei riesigen Hörgeräten an den Ohren und kein Wort Englisch verstand. Ich wollte abklären ob Tattoos erlaubt sind.

Tanaka-san richtet sich auf. "Sie sind tätowiert?" fragt er mich in leisem, fast verschwörerischem Ton. Ich nicke, und deute auf die Stellen auf meinem Körper die tätowiert sind. Wie die Geschichte weiter ging interessiert ihn jetzt nicht mehr.

"Wissen Sie, da müssen Sie aufpassen wenn Sie einen Onsen besuchen". Ich nicke und versichere Ihm, dass ich stets zuerst Frage, ob Tattoos erlaubt sind. "Sehr gut" sagt er "im Onsen sind alle gleich, außer, man ist tätowiert."

Tattoos werden in Japan mit der Yakuza in Verbindung gebracht und deren Träger mit Kriminalität assoziiert. Auch wenn sie sich auf Touristenhaut befinden.

Ich beiße vom Ei ab. Es ist plötzlich Still, die Stimmung erscheint etwas gedrückt.

"Aber mir ist das egal" Tanaka-san grinst "ich hole uns Bier, ok?" Ich muss lachen "Das geht auf mich!".

© Ikaruz 2019-11-17

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