Großmuatakräutl‘

Am Dachboden, in der Speis, im Vorhaus – überall hingen sie, die duftenden trockenen Kräuterbuschen meiner Großmutter. Wenn sie auf dem alten Holzofen kochte – dann war da immer der Gang von Buschen zu Buschen um bestimmte Kräuter abzurebeln und damit dem Gekochten diese einmalige Note zu verleihen.

Mit den vielfältigen Kräutern gab sie nicht nur Geschmack, sondern auch Sonnenlicht, Sommerwärme und letztendlich diese besondere Magie der guten Gedanken und Wünsche in ihre Gerichte.

„Schneid‘ nie mit Grant die Kräutln ab, immer trocken, am späten Vormittag mit einem Danke an die Sonne, und dann aufbinden mit an Spagat und luftig, dass beim Trocknen nu atmen können – und ja die Stammeln dranlassen – da geht die ganze Kraft aus de Blattln‘ hinein – und, um Gottes Willen – ja net waschen …“

Der Blick zurück zeigt sie – weich, rundlich, klein und mit einem konzentrierten achtsamen Blick auf ihre Kräuter, Pflanzen und Blumen, ständig im Dialog mit ihren grünen Freunden. Immer fragend ob’s Platzerl passt, ob’s durstig sind ….

Einzigartige Freunde haben auch besondere Namen. Dass Großmuatakräutl‘, Maggikraut, Gsteckenkräutl‘ eigentlich Bohnenkraut, Liebstöckl und wilder Thymian heißen – das wurde mir erst nach meiner Kindheit mit Großmutter bewusst. Für unser Hammerschmiedkraut habe ich bis heute noch nicht den richtigen Namen gefunden.

Jetzt hängen sie auch bei mir – meine Vielfaltkräuterbündeln und beim Abrebeln, beim Riechen, und Schnuppern der herrlichen Gerüche fällt mein Blick auf mein Großmuatakräutl‘, das bereits meine Großmutter von ihrer Großmutter im eigenen Garten kultivierte. Es ist eigentlich ein Urur-Großmuatakräutl’, mein Ahnenkraut.

Hin und wieder meine ich beim Kochen mit den Ahnenkräuteln‘ in der Küche nicht allein zu sein – es ist so ein leises Gefühl, als ob ich sie da spüre, meine Ahninnen – und es wird ganz warm in der Küche, wenn wir uns alle gemeinsam um meine Töpfe und Pfannen drängeln. Meine Lieben haben sich daran gewöhnt, dass ich beim Kochen mit irgendwas oder irgendwem hin und wieder im Dialog bin und nennen es liebevoll "meine schrullige Marotte" - und Großmuatakräutl‘ klingt tausendmal schöner als Bohnenkraut!

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