DER NEUE FÜHRERSCHEIN

Ich war schon ca. 30 Jahre alt als ich die Fahrschule besuchte. Es war Sommer und ich stieg nach jeder Fahrstunde schweissgebadet aus dem Auto. Es lag aber nicht an der Sommerhitze, im Winter wäre es mit ebenso ergangen. So absolvierte ich also wöchentlich meine Fahrstunden und zuckelte durch Wien. Mein Fahrlehrer, ein Mann mittleren Alters, der stets einen Hut (Sombrero) trug, lotste mich jedes mal in einen Aussenbezirk, ließ mich anhalten, sagte "warten sie, ich komme gleich", verschwand in einem Haus und kam nach geraumer Zeit wieder, ohne mir irgendeine Erklärung zu geben. Ich wagte auch nicht, ihn zu fragen, was er denn da zu tun habe. Es ging mich ja nichts an. Und ich konnte mich ein bisschen "abkühlen". Der Termin für die Fahrprüfung rückte näher und ich bin immer nur geradeaus auf ebenen Strassen gefahren. Auch eingeparkt hatte ich noch nie. Ich machte also meinen Fahrlehrer auf dieses Manko aufmerksam und meinte, was wäre, wenn ich bei der Prüfung einparken muss. "Na des werden`s doch noch z`sammbringen". Ja aber wie? "Schaun`s halt auf meinen Hut, ich geb` ihnen damit Zeichen, wann`s links und wann`s rechts einschlagen müssen". Na super. Ich meinte nur - na hoffentlich vergessen sie dann ihren Hut nicht. Beim ersten mal hat es nicht funktioniert. Aber im zweiten Anlauf schaffte ich die Fahrprüfung auch "ohne Sombrero".

Den Führerschein hatte ich also. Ein Auto auch schon. Einen alten Peugeot - wie es sich für den Zweitwagen der Ehefrau gehört - um ein paar Hunderter dem Onkel abgekauft. Mein Mann fuhr zu der Zeit einen Pontiac. Meine Schwiegermutter und ihre beiden Schwestern waren zu Besuch in Wien. Wir machten einen Ausflug. Wohin? Nach Schönbrunn! Los ging`s. Meine Tochter und die beiden Tanten - Pari und Afsar - fuhren mit meinem Mann. Meine Schwiegermutter und mein Sohn fuhren mit mir. Meine Schwiegermutter sass neben mir und bevor ich noch startete begann sie Stossgebete an Allah zu schicken. An wen denn sonst - sie war Moslimin.

Bis Hietzing ging alles gut. Als ich jedoch links in die Maxingstrasse einbiegen wollte, starb just auf den Strassenbahnschienen der Motor ab. Ich startete - nichts! Ein Polizist kam auf mich zu. Hinter mir klingelte die Strassenbahn. "Wo wollen`s denn hin?" Da hinüber auf den Parkplatz. "Da ist aber Abbiegeverbot". Oje, das hab ich gar nicht gesehen. "Im Abstand von fünf Metern ist eine zweite Abbiege-Verbotstafel und sie stehen auf den Strassenbahnschienen". War nicht zu überhören, hinter mir klingelte es dauernd.

"Führerschein". Ja, Herr Inspektor, den hab ich erst seit einer Woche, das ist meine erste Ausfahrt. "Na dann schaun`s dass endlich weiterkommen". Zu meinem Glück startete das Auto. Mein Mann hat geduldig auf mich gewartet. Parkplatz fanden wir keinen. So beschlossen wir, auf die Hohe Wand zu fahren. Wegen so eines kleinen Zwischenfalls werden wir uns doch nicht unser Sonntagsvergnügen verderben lassen. Und meine Schwiegermutter sprach zu Allah.

© InaRavain