DIE PERSERKATZE

Urlaub bei Freunden! Diesen Slogan der Kärnten-Werbung hatte unsere Katze Nasi - eine schöne, elegante Perserin - sichtlich ein bisschen zu genau genommen.

Zu der Zeit hatten wir zwei Katzen. Nasi, die Perserin - vornehm und unnahbar. Pussy, die Hauskatze - gemütlich und zutraulich. Beide nahmen wir in den Urlaub mit. Natürlich kam auch unsere Dackeldame Chichi mit, aber die spielt in dieser Geschichte nur eine untergeordnete Rolle. Die Türen des Hauses waren stets geöffnet und unsere Tiere konnten sich frei bewegen. Sie blieben aber immer folgsam im Garten. Abends kamen sie ins Haus und nahmen ihre Schlafplätze ein.

Eines abends jedoch suchten wir vergebens nach unserer Perserkatze. Alles Rufen war vergeblich. Womöglich gefiel es ihr am Land nicht! Als Stadtlady war sie Besseres gewohnt. Hier ein dreckiger Misthaufen, zu Hause eine gemütliche Couch!

Am nächsten Morgen - wir saßen beim Frühstück. Quietschvergnügt - doch etwas müde und hungrig - schlenderte unsere Katze heran. Sie suchte ihre Futterschüssel auf und legte sich schnurrend in ihr Körbchen. Es schien eine turbulente Nacht gewesen zu sein.

Dies wiederholte sich auch an den darauffolgenden Abenden. Morgens wurde sie schon von Pussy erwartet, die mit grimmigem Blick vor der Haustür saß. Man sah ihr an, wie enttäuscht sie von ihrer Freundin war. Zu Hause spielte sie die "feine Dame" und hier benahm sie sich wie eine billige Schlampe. Das machte Pussy sehr zornig. Sie fauchte Nasi jeden Morgen böse an. Schließlich war sie sterilisiert und führte das beschauliche Leben einer ganz gewöhnlichen Hauskatze.

Diese nächtlichen Ausflüge blieben natürlich nicht ohne Folgen. Einige Wochen später lagen vier kleine, entzückende Babykatzen im Körbchen. Sie entwickelten sich prächtig, hatten die Haarpracht ihrer Mutter - und vom Vater .....? Jedes hatte ein anderes Fell. Da waren also einige Herren am Werk.

Nasi war also Mutter, Pussy war Tante und Chichi, die Dackeline ......als Tante eignete sie sich nicht. Sie war einfach Spielkameradin. Die kleinen Biester jagten sie ganz ordentlich durch die Gegend. Da wir schon für alle vier Anwärter hatten, unterließen wir es, ihnen Namen zu geben. Nur eine bekam von mir einen Namen, und zwar "Motorsäge". Sobald ich ein Küchenkastl öffnete, sprang sie hinein, setzte sich in einen leeren Topf und schnurrte derart laut, dass man glaubte eine Motorsäge wäre in Betrieb.

Es war Weihnachten. Unsere Kätzchen waren noch bei uns, bald würden sie uns verlassen. Der Christbaum stand, er war reich geschmückt. Das erfreute die vier. Der Schmuck war ihnen egal, aber der Baum war herrlich zum Klettern. Dass dabei immer wieder ein Stück Deko dran glauben musste, erfreute sie umso mehr. Und erfreute Chichi. Erwartungsvoll saß sie unterm Baum, blickte sehnsuchtsvoll hinauf - und endlich, da kam wieder was runter.

Von wegen - Hunde dürfen keine Schokolade fressen! Fragen sie Chichi, ihr hat`s geschmeckt und sie hat`s überlebt. Merry Christmas!!

© InaRavain