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#tante#familienwahnsinn#zurückerinnern

Meine Tante

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Meine Tante | story.one

Ich erinnere mich daran das ich meinen Onkel lieber mochte als seine Frau. Wenn sie da war, kritisierte sie an mir rum. Meine Haare waren zu lang und nicht schön frisiert. Meine Nägel zu lang und nicht gefeilt. Meine Mutter sagte, sie hätte das Herz auf der Zunge und würde immer sagen was sie denkt.

Sie war Sekretärin, hatte eine Kurzhaarfrisur, lackierte Nägel, dezentes Make-up und trug Modeschmuck. Und sie rauchte.

War sie mal wieder unzufrieden, holte sie ihr Nageletui aus der Tasche. Dann zückte sie die Nagelschere und schnippelte meine Nägel ab. Dann kam die Feile. Jeder Nagel wurde damit bearbeitet. Ich mag es heute noch nicht. Manchmal bürstete sie meine Haare.

Fotos erzählen von einer Frau, deren Gewicht rauf und runter ging. Aber sonst blieb sie gleich. Meine Mutter meinte, sie trinkt den ganzen Tag Kaffee mit Frau Finger und sie essen Kuchen.

Ich erinnere mich wie sie jedesmal von ihrer Kollegin erzählte. “Frau Finger hat gesagt…”, und “Frau Finger meint…“ Frau Finger war Bestandteil aller Gespräche. Ich weiß nicht, ob mein Onkel sie mal kennengelernt hat. Wir kannten sie nur aus den Gesprächen.

Ich mochte keine Ketten, aber da sie mich “verschönern” wollte, schenke sie mir eine ihrer langen roten Plastikperlenketten. Ich verschenkte sie an eine Freundin. Nicht, weil ich meine Tante ärgern wollte. Ich mochte die Freundin und wollte ihr etwas schenken. Meine Tante war wütend und schimpfte. Ihre Aussage “Geschenke verschenkt man nicht weiter“ habe ich nie vergessen.

Als ich meine Taschen packte, um auszuziehen, kam sie zu mir. Es dauerte nicht lange bis zu meinem nächsten Geburtstag. Sie wollte nicht das ich ging. Ich sollte bleiben, meinte sie. Nur bis zu meinem Geburtstag, meinte sie. “Sonst bekommst du dein Geschenk nicht”, sagte sie. Ich packte weiter und blieb nicht.

© Mumsqui 2020-11-21

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