Voller Adrenalin

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Handy klingeln. Auf dem Bildschirm eine mir unbekannte Nummer. Dennoch nehme ich den Anruf neugierig entgegen. Eine Männerstimme. Nervosität durchbahnt meinen Körper. Mit zittriger Stimme bekommt der Unbekannte von mir die Antwort, dass ich in fünfzehn Minuten da sein werde. Kaum ist das Gespräch beendet, bricht Panik in mir aus.

Aufgeregt renne ich durch die Wohnung. Von der Küche ins Schlafzimmer, wieder zurück, dann ins Bad und wieder ins Schlafzimmer. Bis ich schlussendlich fertig umgezogen und abfahrbereit bin.

Meine Freundin Tanja versucht mich zu beruhigen. Wir steigen ins Auto und fahren los. Stau. Warum gerade jetzt? Im Schritttempo rollen wir voran bis wir endlich das Ziel erreichen. Danach geht alles recht schnell. Mir wird direkt von einem jungen Mann namens Philip ein Formular in die Hand gedrückt das ich unterschreiben soll. Hiermit bestätige ich, dass mir das Risiko bewusst ist. Ich kritzle meine Unterschrift auf das Blatt Papier.

Ein Sicherheitsgurt wird um meine Arme und Beine gewickelt. Philip erklärt mir kurz die wichtigsten Infos die zu beachten sind und prüft nochmals den Gurt der meinen Körper umschlingt. Alles sitzt perfekt.

Wir laufen los und steigen direkt in das Ungetüm das vor uns steht. Nach und nach stoßen Leute zu uns. Es wird eng. Sehr eng. Jetzt gibt es kein zurück mehr. Die Maschine setzt sich mit einem Ruck in Bewegung, wird schneller und schneller bis sie vom Boden abhebt. Mir wird bewusst, wir sitzen in einem Flugzeug das geradewegs auf 4000 Meter Höhe fliegt. Am höchsten Punkt werden wir dann mitten ins Nichts springen. Umso höher wir kommen desto schneller scheint mein Herz zu schlagen.

Bei 4000 Höhenmetern angekommen öffnet sich die Türe des Flugzeuges. Es scheint als wird einer nach dem anderen von der Außenwelt verschlungen und verschwindet so von der Bildfläche. Bis nur noch Philip und ich übrig sind. Wie versteinert versuche ich meine Füße aus dem Flugzeug zu bekommen. Ein kurzer Blick nach unten. Hilfe! Die Angst überkommt mich und ich schließe die Augen.

Plötzlich... Schwerelosigkeit. Ein vorsichtiger Blick durch halbgeschlossene Augen bis ich bereit bin sie ganz zu öffnen. Wow was für eine gigantische Aussicht. Im vollen Rausch schaue ich von links nach rechts und wieder zurück.

Philip zieht am Seil. Ein starker Ruck und der Fallschirm entfaltet sich in seiner vollen Pracht. Seelenruhig segeln wir in Richtung Erde zurück. Vom leichten Geschaukel wird mir ein wenig flau im Magen. Dann heißt es Füße austrecken um landen zu können. Die Restgeschwindigkeit lässt uns ein paar Meter auf dem weichen Gras gleiten bis wir endgültig zum Stehen kommen.

Ein Klicken. Mein Sicherheitsgurt löst sich. Ich stehe mit wackligen Beinen auf und setze vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Ich fühle mich federleicht als würde ich auf Wolken schweben. Ein Sturm von Glückshormonen überkommt mich.

Ein super tolles Erlebnis und dennoch bin ich froh wieder den Boden unter meinen Füßen zu spüren.

© Ines Mähr