Excel, die 2.

Die Analyse eines Software-Problems trägt oft wilde Früchte. Die Fantasie kennt kein Erbarmen. Wenn man von einer Excel-Liste verlangt, die Hälfte der Nachnamen, die Strasse und die E-Mail-Adresse zu erinnern, sei das doch nicht zu viel verlangt. Schließlich ist Excel ein Tabellenprogramm, das sich mit Spalten und Zeilen auskennt. Oder wenigstens sollte. Aber die gestrige Erfahrung - ja, ich habe schon einmal drüber geschlafen - entbehrt selbst nach kritischem Betrachten jeglicher Vernunft. Das große: Warum? Warum ich? Was hab ich getan? Ein Alb, ein böser Traum, oder ärger, die grausame Wirklichkeit. Die Daten sind weg, nicht alle – natürlich. Diese Erschütterung ist man im 21. Jahrhundert inzwischen gewohnt. Nein. Von 1200 Datensätzen hat sich meine Datei die Hälfte der Nachnamen, die Strasse und die E-Mail-Adresse gemerkt und die andere Hälfte eben nicht. Es fehlten Nachname, Strasse und E-Mail-Adresse ab M., sozusagen die unwichtigen Sachen. Dr. Sabine reicht doch und Stadt, besonders im Internet-Zeitalter. Wer braucht schon E-Mail-Adressen? Die Spalte Firmenhomepage ist unversehrt. Immerhin, ein Anhaltspunkt. Ich fühle mich verarscht.

M. Nicht N oder strebermäßig L. Nein, M - für Mitte wahrscheinlich. Die gute Mitte. Bis hier her und nicht weiter. Hat eine Excel-Liste ein Gewissen, eigene Launen? Bösartigkeit will ich meinem Excel nicht unterstellen.

Um keinen Fortsetzungsroman zu schreiben, sei hier gleich das Ende erklärt. Es führte kein anderer Weg an mir selbst vorbei. Ich bin ungefähr mit halber Körpergröße, Schwitze-Händen und piepsiger Stimme zu meinem Auftraggeber gedackelt, inständig hoffend, dass die letzten Kontakte, Visitenkarten, Schmierzettel noch nicht im Reiswolf liegen, weil, die bräuchte ich eben noch mal, um die Genauigkeit meiner Arbeit zu überprüfen … ging gut. Ich war richtig glücklich, ja fast euphorisch mit gefühlten 500 Kontakten zum Nachtragen und Pflegen nach Haus gekommen. Froh war ich immer noch, einen ganzen Vormittag vor der Kiste zu sitzen, um schon mal eingetragene Kontaktdaten nachzupflegen. Stimmungen sind nicht über längere Zeit zu kontrollieren. Fleißarbeit, ist das schönste Wort, das mir einfiel. Die anderen möchte ich nicht aufschreiben.

Man hat mir mal gesagt, dass man, wenn man älter wird, manche Dinge nicht mehr ändern kann. Blödsinn! Als Software-Anwender kennt man diese Prüfungen von frühester Jugend an. Beschäftigungs-Therapie, ist laut Lexikon eine Therapieform, die sonst nur zusätzlich verschrieben wird. Die hab ich jetzt gratis, in einer ganz persönlichen Form.

Ich fühle mich bereits besser …

© Ines Sommer