Geklaut

Mein Vater ist ein kleiner Bub, als der Krieg endet. Er ist das jüngste von vier Kindern und eine späte Überraschung für meine Großeltern , die bei seiner Geburt gemeinsam schon hundert Jahre alt sind. Überarbeitet und nicht mehr ganz gesund, gezeichnet vom Verlust des ältesten Sohnes, sind sie ziemlich überfordert mit dem lebhaften Sprößling. Mit der NS Regierung haben sie sich auch nie solidarisch gezeigt, mein Großvater hat viele Monate im Gefängnis verbracht, seine Sympathien galten immer den Kommunisten. Als sogenannte Kleinhäusler leben sie am Rande der Stadt in einem baufälligen Haus, ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Sie schaffen gerade so den Alltag und mein Vater ist oft sich selbst überlassen. Er streift durch den Wald und vor allem interessieren ihn die Lager der Besatzungsmächte, die Autos und die Pferde. Eines Tages findet er auf der Wiese neben den Pferden zwei goldene kleine Kugeln und einige Stückchen Würfelzucker. Beide Dinge hat er noch nie gesehen und er steckt sie in die Hosentasche. Ein Soldat beobachtet ihn und jagt ihn weg.

Vieleicht können sich manche Leser noch an die alten Küchenherde mit den drei Ringen in der Mitte erinnern.........als mein Vater atemlos und verdreckt wieder zu Hause ist, schimpft meine Oma mit ihm: "Was hast du denn jetzt wieder angestellt?" Greift in seine Taschen, findet den Würfelzucker, lächelt - was für ein Geschenk! Greift wieder in die Hosentasche, findet die Metallkugeln, macht die Ofentür auf und wirft sie ins Feuer...............die Ofenringe fliegen an die Decke!

Wir Kinder fanden die Geschichte damals lustig .

© Irene