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Gestiefelt in Venedig

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Gestiefelt in Venedig | story.one

Maturareise, Gardasee und Venedig, wegen des knappen Budgets mit Bus und Zelten. Am Gardasee regnet es in Strömen, der Höhepunkt des Tages- wir fallen pünktlich zur Öffnungszeit um 17 Uhr in die Pizzeria am Strand ein, einmal warm essen am Tag muss reichen. Dann zurück in die klammen, regennassen Zelte.

Nach zwei Tagen geht es weiter nach Venedig, es regnet nicht, es schüttet. In unserer Vorstellung ist damals Italien ausschließlich mit Sonnenschein verknüpft, die eingepackte Bekleidung sehr sommerlich. Mein dünner weißer Pliseerock ist nach wenigen Minuten ein nasses, durchsichtiges Stück Stoff, das sich andauernd um die Beine wickelt. Die Riemchensandalen mit Keilabsatz halten die Fersen trocken, meine Zehen sind Eiszapfen.

Trotz allem, Venedig bezaubert, das große Touristen Gewusel gibts noch nicht, die Geschäfte der überall gleichen Modeketten auch nicht. Statt dessen kleine Obststände auf verwunschenen Plätzen, Gelaterias und Stehcafes. Muranoglas und Blumenläden mit einer Auswahl, die wir noch nie gesehen hatten. Der Markusplatz, die bombastischen Palazzi sehen im Regendunst noch verwunschener aus.

Nach einigen Stunden finden wir abseits in einer schmalen Gasse eine schlichte Bar, in einer Vitrine liegen kleine, blasse Sandwiches. Noch nie hatten wir von Tramezzini gehört und bis heute kann ich dieses überraschende Geschmackserlebnis nicht vergessen. Spargel mit Ei, Mozzarella mit Tomate, hauchdünn geschnittener Prosciutto....wir aßen uns durchs Angebot, verfutterten den Rest der Reisekasse, würden das Italientief am Abend eh hinter uns lassen- Heimreise!

Über ein Jahrzehnt später machen mein Mann und ich in der Vorsaison mit unseren zwei Kindergartenmädels Urlaub an der oberen Adria, Venedig besuchen wir auch. Wieder Adriatief, wieder Regen, diesmal hab ich, aus welchen Gründen auch immer, für uns alle passende Kleidung eingepackt, für die Kleine sogar Gummistiefel.

© Irene 08.01.2020

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