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BRAVO Generation next

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BRAVO Generation next | story.one

„Mama, darf ich mir vielleicht die BRAVO kaufen?“

Es ist soweit. Meine Älteste wird zwölf. Wir sind im Supermarkt und die Neugier meiner Tochter steht ihr ins Gesicht geschrieben.

„Lass mal sehen“, sage ich, um etwas Zeit zu schinden und blättere das Jugendmagazin durch. Meine erste BRAVO kaufte ich mir im Alter von dreizehn. Heimlich. Ich erinnere mich an unbeschwerte Stunden mit meinen Freundinnen. Wir hörten Musik, lagen mit unseren Magazinen am Boden herum, schwärmten. Wir waren einfach nur jung.

Seit 1956 hält sie sich nun und ich bin gespannt, was in ist, was Kids & Teens bewegt. Auf dem Cover die YouTuberin „Boss Bitch.“ Sie möchte jungen Mädchen Tipps für ein besseres Selbstbewusstsein geben. Ich werte nicht. Nehme wahr. Selbstvertrauen ist wichtig, gerade im Heranwachsen. In welcher Farbe auch immer.

Damals waren es Nena, George Michael oder Bono, die in ihrer Einzigartigkeit auf den BRAVO Titelblättern glänzten. Nicht so schrill wie heute. Dafür stark im Ausdruck.

Ein Querschnitt der Inhalte. Sehr viel Social Media. Eine der erfolgreichsten Influencerinnen Deutschlands fühlt sich schlecht, wenn sie nur ein Video am Tag postet. User sind geschockt, weil Trump TikTok verbieten möchte. Drei verrückte Corona Fakten. Ein bisschen Fashion. Ein paar Portraits und Erfolgsgeschichten. Statt einem Interview gibt es ein Instaview mit Nico Santos. Mir raucht der Kopf. Aber siehe da. Ein Persönlichkeitstest: Welche Ausbildung passt zu mir. I like!

Das Dr. Sommer-Team ist immer noch da. Die Fragen sind dieselben geblieben. Das berührt mich. Neben der Foto-Love-Story finden noch ein Kondome-Wissens-Quiz, Tipps für einen gelungenen Smalltalk und eine Reportage über Jugendbewegungen, die sich für eine gerechtere und bessere Welt sowie für den Umweltschutz einsetzen Raum.

Ich schließe meine Augen und erinnere mich zurück. Ein Flashback in meine Jugend. Der legendäre BRAVO Starschnitt. Axel Rose klebte in voller Lebensgröße an meiner Zimmertür. Ich küsste ihn jeden Tag, bevor ich in die Schule ging und Axel flüsterte mir zu: „All we need ist just a little patience.“

Auf der Wand neben meinem Bett hingen sie alle. Von Depeche Mode über Nirvana, Seal, Madonna, Roxette bis hin zu David Bowie. Die Stars von damals sind mit uns gewachsen, ihre Musik, ihre Inhalte, ihre Message. Ich frage mich, ob die Sternchen von heute auch noch in zwanzig Jahren ein Begriff sein werden? Ob sich ihre Musik über die Grenzenlosigkeit der Digitalisierung hinwegsetzen kann?

Ein Klick und alles ist da. In Sekundenschnelle abrufbar. Ein weiterer Klick und das Posting, der Clip, das Foto sind gelöscht, doch für immer im Netz. Da sind Spuren. Und ein einziger Verlauf kann alles für immer verändern. Er bringt zutage, was das Leben verschweigt.

„Mama, kann ich nun die BRAVO haben?“

„Nimm' sie dir mit.“

Mein Mädchen strahlt.

„Let's talk about …“, hätten Salt 'n' Peppa gesagt und das sage ich auch. Vertrauen scheint mir die beste Basis zu sein.

© Isa Hörmann 2020-09-14

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