Sommer, Abendstimmung...

Alissas Atem geht immer leise. Sie (es bleibt offen – und jedweder Interpretation freigegeben –, ob sie reale Person ist oder meine Anima) atmet so, als wären ihre Atemzüge Schritte durch ganz andere Tore. Bei stark freien Geistern ist das unvermeidlich und kein Grund, weil so eben schön, sich dagegen zu entscheiden. Sie tut ihre Schritte angenehm weiblich, ganz.

Ein leichter Nebel steigt gerade aus dem Tal, und es hat Helligkeit, irgendwie eine heilsame, in den großen Fenstern.

Es gab – es ist nicht lange her, und dies gesagt „zum Heilsam“ – ja Zeiten, wo für mich alles in einem staubigen Gelb orientiert war, wo alles eben und Leute, die nur Passanten in meinem Leben, wie Nebelstücke sich in nichts auflösten.

Alissa schaffte ausgelassen das meiste an Restgroll in mir aufzulösen, so, dass es auch keine Erinnerung mehr war und beinahe nur mehr Duft nun ist. Jetzt ist langsam alles so, wie mit diesem ähnlichen Geschmack, dem Duft des Lebens, auch ihre Lippen; und ich frage mich, ob Menschen inmitten der Sachen und Schwierigkeiten und so weiter des – oder ihres – Lebens, weil modern, postmodern – und kurzlebig –, sich an solchen scheinbar kleinen Gefühlslagen, Dingen, Momenten noch zu erfreuen imstande sind.

Vielleicht geht es darum, die Fähigkeit des Zweifelns, während man Bedeutung den vielen Dingen verleiht – oder zuspricht –, immer wieder höchst sinnvoll aufrechtzuerhalten: So kann man noch Facetten, ganz viele und verschiedene, in allem und in der Fähigkeit des Geistes erkennen, zumindest (noch) erahnen. Harmonie, den Verwirrungen der Welt zum Trotz, vermuten.

Die Lippen Alissas haben, würde ich sagen, einen ähnlichen Geschmack, einen absolut reinen, wie die Stille, die perfekte, die in diesem Moment gerade wieder einbricht.

Je mehr ich zum Ausgang dieses Anfanges komme (dieses Schreibens, meine ich), desto mehr fühle ich, dass Lichter aus dieser plötzlichen perfekten Stille bereit sind, die Luft zu sprengen in Gängen, sprich Fluren und Räumen, weil ich, jetzt leichter in den Fersen, in die Welt wieder zu treten bereit bin.

© Ivo Rossi Sief