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Cañón del Colca oder Arriba Peru

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Cañón del Colca oder Arriba Peru | story.one

Endlich! Wir kommen in der weißen Stadt des ewigen Frühlings an. Und obwohl sie für uns nur eine Zwischenstation ist, verzaubert uns ihre Schönheit sofort. Die aus Vulkanstein errichteten Gebäude glänzen in der Frühlingssonne, während im Hintergrund drei sagenhafte Vulkane über die Stadt und ihre Bewohner wachen. Das ist „Villa de Nuestra Señora de la Asunción del Valle Hermoso de Arequipa“ - oder einfach nur Arequipa.

Nichts hätte mich auf die Vielschichtigkeit Perus vorbereiten können, dessen kulinarische Vielfalt sich aus den Tiefen des Dschungels, den Höhen der Anden, oder den Wellen des Pazifiks speist. Ein Land, das so viele politische Höhen und Tiefen durchlebt hat, von Terror geplagt wurde. Wo sich die Instrumente der Wirtschaftspolitik desaströs abgewechselt haben. Wo einem, vom Amazonas bis zum Titicaca See, der Atem geraubt wird.

Doch wir sind nicht auf 2300 Meter gefahren, um uns von einer antiken Kolonialschönheit verführen zu lassen. Nein. Unsere Reise führt in die Tiefe. In einen der tiefsten Canyons der Welt. Den Canyon de Colca, wo wir zum Kreuz des Kondors hinabsteigen werden, um die bezeichnenden Vögel über die Anden gleiten zu sehen.

Doch noch bevor das Abenteuer beginnt, treten wir die Busreise an, die uns zu dem kleinen Dörfchen Chivay, am Rande des Colca-Tals bringen soll. Unsere Stimmung im Bus ist euphorisch, angefacht durch die bevorstehende Herausforderung des Abstiegs. Außerdem versüßt das fröhliche Gemüt der Einheimischen uns die Fahrt. Doch all die Begeisterung löst sich in Luft auf, als der Bus vor einem riesigen Loch in der Straße, zum Stehen kommt.

Wir steigen aus und blicken ratlos auf den zwei Meter tiefen Graben, den schwere Regenfälle in den unbefestigten Weg gerißen haben. Es gibt keine Chance durchzufahren. Auf der anderen Seite und hinter uns stauen sich immer mehr Autos, Busse und Lastwägen. Wahrscheinlich kommt niemand, um den Schaden zu beseitigen. Zumindest nicht heute. Und wir sind in Peru.Hier ist es eigentlich unklar wann und ob überhaupt jemand kommt.Wehmütig blicken wir auf das Ende unserer Reise.

Den Anfang macht eine indigene Einwohnerin. Wir erkennen sie an dem bunten Tuch, ihrem Hut und den dichten schwarzen Haaren, die zu zwei dicken Zöpfen geflochten sind. Vielleicht eine Qechua aus den Anden, die zu ihrer Familie, ihren Kindern, muss. Wir werden es nie erfahren. Aber sie wirft einen Stein in die Grube und wendet sich zur Felswand, um einen weiteren zu holen. Ein zweiter folgt, dann ein dritter. Immer mehr Menschen folgen ihrem Beispiel und auch wir machen kopfschüttelnd mit.

Die Grube wird immer voller und nach mehr als einer Stunde haben wir es geschafft. Wir haben eine Überfahrt erschaffen, über die langsam aber sicher alle Fahrzeuge fahren können. Wo andere schon aufgegeben hätten, hat Peru weitergekämpft.

Heute erlebt das Land wieder einen politischen Umbruch, und hoffentlich wendet die Persistenz der Peruaner auch hier das Blatt zum Guten. Arriba Peru!

© Jack_Lemon 2020-11-21

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