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#urlaub#liebe#humor

Badeurlaub mit einem Perfektionisten

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Badeurlaub mit einem Perfektionisten | story.one

Ich bin mit einem Perfektionisten zusammen. Ich liebe ihn über alles, aber Urlaub kann eine Herausforderung sein. Mit humoristischem Pathos betrachtet, ist es jedoch sehr unterhaltsam.

Das Taxi zum Airport war für 8:40 Uhr bestellt. Um 8:45 Uhr habe ich F. mit Nachdruck darauf aufmerksam gemacht, dass er vielleicht seinen Koffer doch endlich fertig packen könnte. Der Fahrer hat uns gefragt, welchen Flug wir nehmen. Auf meine Antwort hin ist er in Schweiß ausgebrochen und hat sämtliche Verkehrsregeln missachtend den Weg gen Flughafen angetreten. Die Frage, warum er so hektisch sei, hat er jedenfalls unabsichtlich oder absichtlich ignoriert.

Wir haben es ins Flugzeug und in Kairo samt Gepäck in die Egypt Air Express geschafft. In diesem Miniflugzeug waren wir die einzigen Nicht-Ägypter. Sämtliche Passagiere haben das Essen abgelehnt. F. hat seine und meine Portion ägyptisches Sushi mit Inbrunst verspeist. Es ging alles gut, wider meiner Prophezeiungen.

In Hurgarda sind wir aus Kairo kommend am Domestic Terminal gelandet. Unser durchgechecktes Gepäck jedoch am International Terminal – eh klar, es war noch nicht verzollt -, nur massive Drohungen meinerseits konnten F. davon abhalten, dem Zöllner einen Vortrag über zeitgemäße Logistik auf internationalen Verkehrsflughäfen zu halten.

Nach einem herrlichen Abendessen und zehn Stunden Schlaf freuten wir uns auf den nächsten Morgen.

Aber starker Wind machte das Strandliegen nur bedingt entspannend. Sofort nach dem Frühstück hat F. mit jedem‚ „who is supposed to be in charge“, den Wind ausführlich erörtert und sich davon überzeugen lassen, dass Wetterkapriolen leider nicht einmal in den Zuständigkeitsbereich des General Managers fallen.

Statt den ersten Urlaubstag zu genießen, sind wir also mit dem Taxi in zwei andere Hotels gefahren, wo F. sich davon überzeugen ließ, dass auch hier Wind herrscht und auch das Team im Kempinski und im Les Cascades sich außerstande sah, dem Wind Einhalt zu gebieten. Nach Rückfrage bei der AUA, und dem Reisebüro wissen wir jetzt überraschenderweise auch, dass Windstärken von 30 km/h kein Grund sind, einen Urlaub abzubrechen, und weder Airline noch Travel Agent auch nur daran denken, uns Geld zu erstatten. Nach Konsultation einiger Wetterdienste wurden wir auch darüber informiert, dass nicht einmal militärische Meteorologen über die Fähigkeit verfügen, die exakten Windstärken der kommenden zehn Tage vorherzusagen. Vom Plan, über Kairo nach Sharm el Sheik zu fliegen, um dort den Urlaub fortzusetzen, konnte F. ein findiger Rezeptionist abbringen, der das Flehen in meinen Augen offenbar richtig gedeutet hat. „Sir, Sharm is only about one hour per boat, do you really think there it will be less windy?“

Mittlerweile ist F. jedoch überzeugt davon, dass es kein schöneres Hotel in der näheren Umgebung gibt, und der Wind hat nachgelassen. Wir genießen den Urlaub, und bleiben im Oberoi, das - so nebenbei gesagt - wirklich traumhaft ist.

© Jakob Zitterbart 2019-07-18

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