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Der mit der Kobra tanzt

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Der mit der Kobra tanzt | story.one

Bali und ich hatten zu Beginn eine eher schwierige Beziehung. Die Ankunft gestaltete sich nervenaufreibend, der Zöllner erklärte mir, der originalverpackte Rucksack den ich am Flughafen beim Umsteigen erworben hatte, könne nicht eingeführt werden, da nicht auszuschließen wäre, dass ich ein Rucksackgeschäft auf seiner schönen Insel eröffnen würde. Ich sollte den Rucksack bei ihm deponieren und vor meinem Abflug wieder abholen, er würde mir seinen Namen aufschreiben. Ja genau! Gibt es wirklich Menschen, die naiv genug sind, um auf so eine Masche reinzufallen? Irgendwann wurde mir das Getue nach dem langen Flug zu bunt, ich zog einen Zehn-Dollar-Schein, knallte ihn auf den Tisch des Zöllners, nahm meinen unverzollten Rucksack und ging grußlos ab.

Am Taxistand wurden mir erstmals Drogen angeboten. Ich dachte eher an Spiritualität, aber offenbar war die chemisch-biologische Art der Sinneserweiterung das was Horden an jungen Menschen nach Bali trieb. Ich lehnte ab, erklärte dem Taxifahrer, dass ich ein eingeschaltetes Taxameter klar bevorzuge, und kam ziemlich erledigt im Hotel an. Nach einem ersten Spaziergang war klar, dass ich keinesfalls in Seminyak bleiben würde. Alkoholleichen, Drogendealer an jeder Ecke und jene Art Touristen, die man im Reality-TV sieht. Der Bilderbuchstrand war auch nur im selbigen schön. Glasscherben, Zigarettenstummel und benutzte Kondome im Sand trübten meine Motivation, hierzubleiben.

Am nächsten Morgen eine Mitfahrgelegenheit nach Ubud gecheckt. Statt Strand waren also Wandern und innere Einkehr angesagt. Ich suchte und fand in Tonik einen Local Guide, der mit mir durch Wald und Reisfelder streifte. Er in Flipflops und Sarong, ich in festen Wanderschuhen, und so war ich bald wieder mit Bali versöhnt. Sonnenaufgänge, Reisfelder, Wasserfälle, volles Programm. Was für ein Traum diese Insel abseits der Strände doch war.

Immer wieder warnte mich Tonik, dass ich nach Schlangen Ausschau halten sollte. Wir sahen keine einzige. Warane und Vögel en masse, aber keine Schlange. Ich war nicht unglücklich darüber. Abends dann in Ubud Abendessen und ein Bier. Endlich kein festes Schuhwerk mehr an und dann auf dem Rückweg ins Hotel plötzlich dieses komische Gefühl unter meinem Fuß. Der Ast sieht aber komisch aus, der Ast bewegt sich, DER AST HAT EIN NACKENSCHILD, DEN ER GERADE AUFSPREIZT!

Ich schwöre, ich habe gespürt, wie sich das Adrenalin aus meinen Nebennieren durch meinen Körper ausbreitete. Aus dem Stand habe ich den weitesten Sprung meines Lebens gemacht. Die Kobra verschwand ins Gebüsch. Ich ließ einen Urschrei los. Dadurch aufgescheucht, kam mir ein verschlafener Tonik entgegen. Ich erzählte ihm mein Erlebnis. Er sah mich verschwörerisch an.

„Sir, you are so very lucky! You stepped on Cobra and it didn't bite you. This is because it respects you, cause you have such a mighty soul!“

So kann man es natürlich auch sehen.

© Jakob Zitterbart 2020-05-20

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