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#reisen#summerchallenge#fashion

Fashion Victim in Singapur

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Fashion Victim in Singapur | story.one

Der Flug nach Mailand ging um sieben Uhr und wir hatten ein Taxi für sechs Uhr bestellt. Das Gepäck war fertig, wir waren fertig. Nur das Auto war nicht da. Der Fahrer hatte verschlafen. Tiefflug auf der Tangente und der A4 - wir schafften es. Na ja, wenigstens waren wir jetzt wach.

Das Flugzeug hatte eine Außenposition und im Bus war es novemberkalt, was eher unangenehm ist, wenn man zwölf-Stunden-Flug-mit-Tropendestination-gerecht gekleidet ist. Egal, dafür habe ich den schönsten Sonnenaufgang meines Lebens gesehen.

In Mailand Chaos, außerdem hatte die Guardia di Finanza offenbar eine Razzia und einige Beamte haben es auch ohne Fremdsprachenkenntnisse geschafft, asiatische Touristen mit sehr, sehr vielen Sackerln an den Rand der Verzweiflung zu treiben. Kurz vor dem Anschlussflug noch Action. Unser Gepäck ist „unfortunately temporarily not locatable“. Keine Lösung in Sicht, bis wir den Mitarbeitern versicherten , dass wir uns, sollte unser Gepäck nicht binnen zehn Minuten hier sein, um sehr viel Geld komplett neu einkleiden und außerdem „delighted“ sein würden, die Rechnung an die Airport Authority weiterzuleiten. Das Gepäck war plötzlich doch da.

Der Flug unspektakulär. Singapur ist unglaublich schön, sauber, sicher, grün, organisiert, modern und ein bisschen sehr langweilig. Den ganzen Tag ist man beschäftigt, noch ein saubereres, schöneres, moderneres, grüneres Gebäude/Shoppingcenter/Hotel/Restaurant ... anzusehen. Alles beeindruckend, aber am Ende austauschbar.

Die Herausforderung ist, bei gefühlten 400 Prozent Luftfeuchtigkeit und 38 Grad nicht komplett zu schmelzen. Wissend lächelt man den Ami mit Flecken unter den Armen so groß wie die F.A.Z. (im aufgefalteten Zustand) an. Man ist sozusagen verbrüdert im Schweiße. Man beobachtet neidvoll die Singapuri, im dreiteiligen Brionianzug aus feinster Schurwolle, die nicht mal die Idee einer Schweißperle tragen. Ich glaube, die Disziplin untersagt es Locals, einer so ordinären Tätigkeit wie dem Schwitzen nachzugehen.

Normalerweise habe ich in Städten niemals kurze Hosen an. Diesmal habe ich gestreikt und Shorts getragen. Es war einfach zu heiß. Das Problem: Die Shorts haben mir im Sommer perfekt gepasst. Nur jetzt ist eben November und meine Knochendichte hat sich signifikant um sechs Kilo erhöht. Was zur Folge hatte, dass mitten auf der Orchard Road der Knopf meiner Hose filmreif Harakiri beging. Um nicht in Unterhosen weitergehen zu müssen, also rein in den nächsten Shop:

„Hi there, I'd like to get some new shorts, may I see them?“

„Sir, it's NOVEMBER, we don't have shorts, maybe you want to see our brandnew down coats? Very warm and VERY light.“ Logisch, total logisch. Nachdem ich dem Verkäufer von meiner misslichen Lage berichtet hatte, erbarmte er sich meiner und kramte noch ein paar Shorts aus dem Lager hervor „But I have to inform you that those are LAST season.“ „Seriously, Sir, now at the moment I really don't care!“

© Jakob Zitterbart 2019-07-22

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