Zeitmaschine

Sie bekam das Bild einfach nicht mehr aus dem Kopf. In ihrer Erinnerung hatte sie ihr ein Denkmal gebaut, und umso mehr sie es zerstört hatte, desto größer wurde ihre Trauer über die Schönheit, die es einst besessen hatte.

Wenn sie morgens aufstand, hörte sie den Gesang der Vögel bis in ihr Badezimmer und der Geruch des frisch gemähten Rasens begleitete sie bis zu ihrer Arbeit. Die harte Holzbank fühlte sie unter sich – den ganzen Tag. Nur ihre Nähe und ihr Lächeln, das sie mit dem Foto hatte festhalten wollen, erreichte sie nicht mehr. Wenn sie nur eine Zeitmaschine hätte, sie würde sofort in die Vergangenheit reisen und ihren Fehler ungeschehen machen.

Das Foto von dem gemeinsamen Sommerabend im Garten hatte sie längst aus ihrem Portemonnaie entfernt. Doch egal, wo sie es hintat, es war immer bei ihr. Sie wusste inzwischen, sie hatte es achtlos behandelt und für selbstverständlich gehalten. Dann hatte sie es sich nicht mehr oft genug anschauen können, und nun war ihr Platz leer. Würden sie doch nur wieder miteinander reden, miteinander lachen und dann gemeinsam in den Urlaub fahren. Wenn sie doch nur eine Zeitmaschine hätte, sie würde sofort in die Zukunft reisen und die elendige Warterei beenden.

Das Leben aber ging weiter, sie lenkte sich ab so gut es ging. Doch niemand konnte sie vor dem Bild bewahren, das sich ihr wieder und wieder in den Kopf schlich, sobald sie alleine war. Sie hatte sich entschuldigt, ihre Bitte um Abstand erfüllt und konnte nun nichts mehr tun. Wenn ihre Freundschaft das überstehen würde, dachte sie, wäre es nur der Beweis ihrer Größe. Bis dahin würde sie warten und sich selbst um Verzeihung bitten. Etwas anderes blieb ihr nicht übrig. Sie hatte zwar eine Zeitmaschine, doch diese besaß einen schwerwiegenden Konstruktionsfehler. Ein Aussteigen war nur in der Gegenwart möglich.

© Jan-Mikael