Der Zauberer

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Der Zauberer | story.one

Wie schon in "Hunger oder Appetit" beschrieben, verbrachte ich meine Wochenenden als Kind und Jugendliche ab 1. Mai regelmäßig in der Lobau auf der sogenannten "Hirscheninsel". Die nachfolgende Geschichte trug sich an einem solchen zu.

Ich glaube, es war an einem frühen Nachmittag, nach der ärgsten Mittagshitze, als wir, meine Eltern, ich und die anderen Badegäste unserer Gruppe erfuhren, dass in einer benachbarten Gruppe, ein damals sehr bekannter Zauberkünstler bereit sei, eine Vorstellung für uns alle zu geben.

Das versprach eine besondere Abwechslung. Geschlossen brachen wir, Jung und Alt, so "wie Gott uns schuf", nur mit Handtuch oder Decke zum drauf Setzen, auf und pilgerten zum angegebenen Grundstück.

Es waren schon viele Menschen anwesend, die um einen Platz in der Mitte, kreisförmig am Boden saßen.

Wir bekamen nur mehr, ich denke es war in der dritten oder sogar vierten Reihe, ein Fleckerl Gras zum Niedersetzen. Nachdem die Reihen geschlossen waren, trat in die Kreismitte ein Mann. Wie er aussah, das weiß ich nicht mehr aber,.... er war genau wie wir, nackt.

Er begrüßte uns und sagte, dass er sich über das große Interesse sehr freue.

In Händen hielt er Spielkarten und begann diese gekonnt zu mischen, indem er sie rasch von einer Hand in die andere gleiten ließ, sie durch die Luft warf, wie ein Jongleur, wieder auffing und einzelne Karten dabei heraus fischte. Dabei drehte er sich langsam im Kreis, dass wir alle ihn beobachten konnten. Soweit ich mich erinnere, sprach er dabei auch nicht viel.

Die Erwachsenen rätselten, was da wohl noch kommen sollte. Er hatte ja keine Möglichkeit die Karten irgendwo zu verstecken oder verschwinden zu lassen. Keine Hosentaschen, keine Ärmel oder sonstiges, was als Versteck hätte dienen können. Es schien eine fade Angelegenheit zu werden.

Irgendwie waren wir enttäuscht, als er plötzlich verkündete, es fehle ihm eine Karte und zwar das "Herz As".

Sein Blick ging über die Besucher Reihen und blieb auf meiner Nachbarin, der Mutter meines Spielkameraden, hängen.

Er sah sie lange forschend an. Dann bat er sie höflich auf zu stehen und so freundlich zu sein, ihm das "Herz As" zurück zu geben, er würde es ja für die nächste Vorstellung wieder brauchen.

Verständnisloses Kopfschütteln war die Reaktion unsererseits, die wir neben ihr saßen. Was wollte er? Wie sollte sie zu seiner Spielkarte gekommen sein?

Spannung lag in der Luft

Er stand mit erwartungsvoll ausgestreckter Hand in der Mitte, um seine Karte wieder entgegen zu nehmen

Sie erhob sich zögernd, blickte hilfesuchend um sich und drehte sich völlig ahnungslos um die eigene Achse.

Lachen und Applaus brandete auf.

Zur Verblüffung aller, das "Herz As" klebte auf ihrem Popo.

Sie war tatsächlich auf dieser Spielkarte gesessen.

Wir waren völlig überrumpelt.

Wir hatten alle aufgepasst wie die Haftelmacher, hatten aber nichts, rein gar nichts, bemerkt. Niemand hatte eine Bewegung rund um uns wahrgenommen.

Es grenzte wahrlich an Zauberei.

© Janda-Waschek 14.08.2019