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"leg dich flach auf's Wasser!"

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"leg dich flach auf's Wasser!" | story.one

Es war in den Sommerferien 1949. Meine Eltern hatten im Kamptal, in dem Straßendorf Altenhof, direkt an der Bundesstraße ein leerstehendes Staßenwärterhäuschen gemietet. Wochentags waren wir, meine Schwester und ich, mit meiner Mutter allein, am Freitagabend kam mein Vater, um mit uns das Wochenende zu verbringen. Damals durfte der Kamp noch sein selbst gegrabenes Bett benutzen und war dementsprechend sehr wild und ungezähmt.

Wir mussten nur die Straße überqueren, über eine Wiese laufen und waren schon am linken Kamp Ufer, wo wir lagerten.

Der Kamp war dort geschätzt ca. 18 m breit und umspülte genau in der Mitte, knapp unter der Wasseroberfläche, einen großen Stein.

Dort absolvierte ich unter Anleitung meines Vaters meine ersten Schwimmversuche.

Ich lernte die Geschwindigkeit der Strömung abzuschätzen um am Ufer soweit stromauf zu gehen damit ich diesen Stein genau erreichen konnte. Dort eine kleine Rast und dann ging 's weiter, um am rechten Ufer in einer kleinem Bucht zu landen. Die Schwimmhilfen waren damals große Armbänder aus Korkteilen, die um die Oberarme gebunden wurden. Nicht sehr bequem, weil hart und steif, aber es gab nichts anderes.

Sehr bald hatte ich die anfängliche Scheu vor dem Wasser verloren, wusste wo ich mich in die Fluten werfen konnte, traf den Stein punktgenau und landete sicher in der Bucht. Ehrgeizig wie ich war, lernte ich bald ohne diese "Stützen"zu schwimmen.

Es war vielleicht im 2. Ferienmonat, als mein Vater mich einlud, mit ihm den Fluss stromab zu erkunden. Ich war natürlich mit Begeisterung dabei, aber ich sollte wieder die Flügerl aus Kork nehmen, weil die Strecke um einiges weiter sei und mir der Fluss ja noch nicht bekannt sei.

Auf mein beharrliches "NEIN, ich brauch sie nicht," gab meine Vater endlich nach, aber sein letztes Wort war."Wenn du heute auf die Schwimmflügel verzichtest, bekommst du sie niemals wieder."

Auf ging 's. Wir schwammen mit der Strömung, das Wasser sang in meinen Ohren, es war herrlich! Wir näherten uns einer mit Bäumen bewachsenden Insel, die mitten im Fluss diesen in einem spitzen Winkel in 2 Hälften teilte.

Die Strömungsgeschwindigkeit erhöhte sich beträchtlich und riss mich immer näher an das Ufer. Vorbei war es mit meiner Sicherheit. Ich kämpfte mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften gegen die Kraft des Wasser, um nicht ans ungefähr 2m entfernte Ufer geschleudert zu werden.

Mein Vater stand mittlerweile breitbeinig auf der Insel und ich hörte in meiner Panik, ja Panik , schluckte ich doch mittlerweile beträchtliche Mengen Wasser, seine Worte: "leg dich flach auf's Wasser, leg dich flach auf's Wasser..! Ich weiß nicht wie oft er diesen Satz wiederholt hatte, bis ich endlich meinen Kampf aufgab und seinen Worten folgte.

Ich wurde regelrecht mit Schwung angespült. Das Wasser war gerade knöcheltief. Ich hatte mir die Knie aufgeschürft, sehr viel Wasser geschluckt, aber die Erkenntnis gewonnen, dass das Wasser mich trägt, wenn ich nur Ruhe bewahre.

© Janda-Waschek 08.03.2020

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