Ringe

Drei sind es. Und dann dieser Moment, in dem sie geschlossen sind. Der rote und grüne Ring manchmal auch mehrmals. Der Blaue meist nur ein wenig über den Vollkreis hinaus. Ja, es fühlt sich gut an wenn sie zu sind, wie sich selbstgewählte Verpflichtungen eben anfühlen: Gut mit leichtem Zweifel.

Am Anfang ignorierte ich die Möglichkeit, fand sie jedoch auch irgendwie interessant. Meine Neugier siegte mal wieder vor gut anderthalb Jahren und ich akzeptierte sie als Aufgabe. Ok, bei Regenwetter ist es eine Herausforderung.

Schließe deine Ringe! steht als Aufforderung auf der Netzseite der Apple Watch. Es dauerte länger bis ich sie am Arm trug und nochmals lange, bis ich das mit den Ringen anfing.

Es war im Winter 2016 in Málaga, als mir ein Freund am Telefon mitteilte, dass meine Rente eingestellt wurde. Seine Adresse war meine Postanschrift für die Behörden. Ups. Ich stand da und konnte, wollte es nicht glauben was ich hörte. Und dann erlebte ich es das erste mal dieses Zusammenziehen beginnend in der linken Schulter und dann in die rechte Schulter und Nacken übergehend. Erinnerte mich an Erzählungen: Linke Schulter gleich Herz. Ich war 67 und mein Vater starb im gleichen Alter an einem Infarkt. Angst, einfach pure Angst und der Versuch, meine Gedanken zu beruhigen mit 'Alles nur ein Irrtum' wirkte null. Und es war Freitag Nachmittag, also irgendetwas klären ging erst Tage später. Es schien mir endlos.

So kam ich dann ein paar Wochen später zur Uhr, wollte mein Herz erkennen und sicher sein. Puls zählen klappte einfach nicht. Voller Spannung beobachtete ich die Aufzeichnungen, las einiges dazu und fand nichts Außergewöhnliches. Im Gegenteil, die Werte sahen gut aus. Doch die Verspannungen blieben immer wenn ich los ging.

Im Frühjahr zurück in Berlin dann einen Termin beim Kardiologen. Mit viel Glibber auf der Brust für den Ultraschallsensor zog sich die Untersuchung hin bis die Ärztin sagte: Sorry, kann nichts finden, nichtmal die kleinste Ablagerung. Wow. Beim Abschied sagte sie dann: Auf Wiedersehen in 20 Jahren.

Die Verspannungen blieben trotz Massage. Weiter hörte ich, bewege deine Arme viel, drehe deine Wirbelsäule mehr und dehne die Schulterhebermuskeln. Und jetzt ist sie wieder dran, die Watch. Jeden Morgen genieße ich 15-20 Minuten Training, bei dem sie auch mein Herz aufzeichnet. Freue mich jeden Tag und manchmal erinnert sich mich freundlich.

Ich mag sie und die Verspannungen sind fast weg. Und das mit der Rente war wirklich nur ein Versehen.

© Joachim Klöckner