Auch Langfinger sind steuerpflichtig

Egal was man so unternimmt, wo man gerechtfertigt oder ungerechter Weise sich Geld verschafft, das Finanzamt lauert im Hintergrund!

Also aufgepasst, besonders Diebstahl lohnt sich offensichtlich nicht!

Hat da eine Angestellte innerhalb von drei Jahren aus der Handkassa ihres Arbeitgebers ungefähr Euro 60.000.—entwendet und… ist erwischt worden.

Man mag sich fragen, wieso in der Handkassa so viel Geld drinnen war, aber egal, ist ja eine Firmeninterna!

Das Ganze flog auf und hatte ein strafrechtliches und zivilrechtliches Nachspiel und jetzt auch noch steuerliche Folgen.

Denn das Finanzamt ist immer und überall und führte eine Außenprüfung durch und beschied eine Steuerpflicht für die unrechtmäßig bezogene Summen - samt Zinsen. Naja sind eben gründlich im Finanzamt!

Da die Angestellte aber gerichtlich zur Rückzahlung verpflichtet wurde, berief sie gegen das, ihres Erachtens nach Schandurteil.

Doch die Berufung hat, so hält das Bundesfinanzgericht fest, einen Haken! Denn die Rückzahlung erfolgte nicht im jeweiligen Kalenderjahr, daher wird sie nicht anerkannt.

So beschied das Bundesfinanzgericht nun, die entwendeten Gelder wurden zu Recht versteuert. Eine Revision durch die Beschwerdeführerin (so steht es im Bescheid) wurde wegen Unzulässigkeit abgewiesen

Da Langfinger kein Beruf ist, kann die Rückzahlung auch nicht in den Folgejahren als Werbungskosten abgeschrieben werden. Punktum!

Wenn man also vorausschauend und ein Langfinger ist, sollte man sich überlegen, bei einer Einkommenssteuererklärung Rückstellungen für den eventuellen Fall, dass man doch erwischt wird, zu machen, dann hat man vielleicht die Möglichkeit einer Revision!

Stellt sich noch die Frage, ob bei Angaben beim Finanzamt die finanzamtliche Schweigepflicht gilt, oder ob die das dann hinterhältiger Weise zur Anzeige bringen. Das wäre aber ganz gemein! Da lohnt sich dann Ehrlichkeit wieder nicht. Ein Dilemma!

Und wenn es sich nun nicht um Bargeld handelt, sondern um ein ganz normales Diebesgut, bei dem sich ja auch der Marktwert im Laufe der Zeit (bis man eventuell erwischt wird), verändern kann? Die entwendete Ming-Vase z.B. inzwischen zerbrochen oder das Auto, kaum gestohlen, bereits in Polen ist? Das wirft alles finanztechnische Fragen auf, die unlösbar erscheinen. Oder müssen Finanzbeamte eine kriminaltechnische Ausbildung machen, um auch alle Waren, die so unter der Hand oder dem Ladentisch verschwinden, wertmäßig und real erfassen und finden können?

Also solche Aktionen werfen mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.

Es gibt nur mehr wenige erstrebenswerte Berufe, dazu gehören zweifelsfrei Langfinger oder Finanzbeamter nicht.

© Joana Angelides