Ein Prinz auf einem weißen Pferd

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Sind Mädchenträume von einem Prinzen auf einem weißen Pferd kindisch und in der heutigen Zeit unmodern?

Diese Frage drängt sich auf, wenn man die Möglichkeiten betrachtet, die heute ein Mann hat, um die Beachtung und die Akzeptanz einer Frau zu erringen.

Doch betrachten wir es doch einmal auch von einer anderen Warte aus.

So ein Mann, hoch zu Ross, in aufrechter Haltung und meist auch equivalent gekleidet, konnte schon ein Mädchenherz höher schlagen lassen. Wenn das Pferd dann auch noch nervös tänzelt und seine Nüstern blähte kam sicher ein gewisses erregendes Gefühl auf.

Was ist dagegen so ein Haufen Blech von einem Cabrio, das laut und gefühllos ist! Zugegeben, er ist schneller als ein Pferd, aber sicher weniger romantisch. Man sitzt neben dem Mann, der mit Schalten und Gasgeben beschäftigt ist und daher höchstens hin und wieder unsere Beine berühren kann. Anstelle von einem lebensbejahenden Wiehern hören wir den Motor aufheulen, oder die Bremsen brummen.

Mit einem Pferd kann man durch den Wald reiten, Halt machen und der Natur ihre Beachtung schenken, was immer man darunter versteht! Mit einem Auto kann man nur auf einem vorgegebenen Band in der Landschaft dahinfahren, ohne der regulären Möglichkeit in einem blühenden Mohnfeld zu landen.

Aber es ist ein unvergleichbar wohligeres Gefühl, hinter einem Mann am Rücken eines Pferdes zu sitzen, sich an ihn zu schmiegen, die Hände um ihn herum zu schlingen und das eigene Herz pochen hören.

Man ist halt nicht so schnell dort, wo man hin will. Aber ob das immer so wünschenswert und wichtig ist?

© Joana Angelides 12.06.2019