Sesam öffne Dich

Es sind die immer wiederkehrenden Träume, die uns erstaunen.

Man könnte meinen, es sind Wunschträume, Dinge die wir unbedingt haben oder erleben wollen. Die Vermutung liegt nahe, dass es auch so ist!

Mein Traum vom Spalt in Wänden, in Felsen oder sich auftuende Fluten im Meer, die mich locken und rufen, ist so ein immer wiederkehrender Traum.

Wenn ich im Halbschlaf so durch Wände hindurch schlüpfe so finde ich mich meist in großen Räumen, lichtdurchflutet, mit Blick auf eine wunderschöne, liebliche Landschaft, wieder. Leise Flüsternde Bäche und im Wind sich bewegende Birkenwäldchen fügen sich ein.

Ich erwarte immer jemand, mein suchender Blick streift herum und bleibt dann immer an dir hängen. Du stehst meist an einen der Birkenstämme gelehnt da und blickst mir ruhig und lächelnd entgegen, ein Ritter in Wams und Beinkleidern. Du erscheinst mir immer wieder in anderer Gestalt, einmal mit goldenem Haar, ein andermal mit einer feurigen roten Mähne, oder tiefschwarzem, lockigem Haar.

Wenn ich mich dir dann nähere, beginnen sich unserer beiden Kleider zu lösen und zu Boden fallen und letztendlich stehen wir dann nackt voreinander.

Ich denke, es ist die Sehnsucht nach Berührung, Flucht aus der Einsamkeit dieser Nächte, die mich diesen Traum immer wieder träumen lässt.

Ich spüre jeden Grashalm, jeden Erdkrümmel auf meinem Rücken und den Duft der frischen Wiesen rundherum. Wir sprechen in keinem dieser Träume auch nur ein Wort. Deine Lippen bewegen sich nur auf meiner Haut und deine Zunge umrundet langsam und stetig meine intimsten Punkte. Wir scheinen alleine in dieser Welt der Fantasie zu sein und es fällt uns nicht einmal auf.

Die helle Haut meiner Schenkel, das lose Haar vermischt sich mit dem hellen Grün der Gräser die leicht wippen, wenn die vollen Blütenknollen im Wind sich bewegen.

Ich spüre den leisen Windhauch zwischen meinen geöffneten Beinen, deine suchenden Fingerkuppen und deine heiße Handfläche meinen Garten der Lust durchpflügen und mein Seufzen und leises Stöhnen vermischt sich mit dem Gesumme der Bienen.

Dann spüre ich langsam das aufsteigende Gefühl der Lust, plötzlich mit sanfter Gewalt nimmt es Besitz von meinem Körper und auch die Wolken am Himmel verdecken ein wenig das klirrende Sonnenlicht. Eben dieser Körper, der noch vor Sekunden weich und sanft dalag und die Berührungen genoss, wird erfasst von dunklem Dröhnen, dem Verlangen nach Mehr und Kräftigerem. Das Blut beginnt zu rauschen, das Gefühl eines drohenden Gewitters liegt in der Luft und plötzlich bahnen sich Gefühle wie glühende Lava den Weg nach außen und mit vermeintlichem Blitz und Donner ergießen sich diese sintflutartigen Gefühle, geformt in immer wieder kehrende Orgasmen aus der ungeahnten Tiefe der in mir schlummernden Leidenschaft.

Aber ich weiß, in einem der nächsten Nächte wirst du wieder dort, am Rande des kleinen Birkenwäldchens stehen und auf mich warten.

© Joana Angelides