003 Vom Tagelöhner zum Matrosen

Das Bord leben auf der Sirius war schon etwas Spezielles, der Kapitän 24 Jahre jung, hielt die Zügel zwar eher locker, aber es fühlte sich einfach anders an. Auf der Florette war bei weitem nicht so viel zu tun wie auf der sehr, sehr rostigen Sirius. Die Arbeiter Truppe zu der ich meine Wenigkeit zählen durfte, war von morgens nach dem Frühstück bis Abends zum Abendessen, damit beschäftigt mit pneumatischen Nagel- Hämmern den teils Zentimeter dicken Rost von dem Rumpf ab zu tragen. Dennoch hatte ich meine eigene Koje zusammen mit Bart dem jüngeren der beiden Mechaniker und 3 Mahlzeiten pro Tag. Vormittags gab es eine Kaffee Pause und Nachmittags ebenso. Der Rest meiner Truppe hatte schon die Angewohnheit, dass sie diese 30 min. Pause immer etwas in die Länge zogen. Da war ich schnell ein Dorn in derer Augen, wenn ich pünktlich mit meiner Arbeit weiter machte. Ich versuchte wenigstens Sammy den Ägypter, zu überzeugen dass er, wenn er wirklich als Matrose auf der Sirius bleiben will, etwas mehr Initiative zeigen sollte. Er meinte nur, dass er sowieso alle Anderen locker ausstechen würde, mit seinem Scharm und seinen 17 Jahren. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht ob das Schiff in Spanien eine Saison segeln würde, oder doch die alte Tour zu den Liparischen Inseln auf dem Programm stehen würde.

Ich war schon mehrere Tage dort, als Kapitän Paul von einer Shopping Tour zurückkam und leicht geschockt feststellen musste, dass wir, die an der Wasserlinie des Schiffes arbeiteten, nicht mehr viel von der eher wichtigen Linie, stehen gelassen hatten. Bis auf wenige Farbfragmente war nur noch eine rostige Fläche zu sehen. Nun an der seitlichen Bordwand konnten wir mit Hilfe einer Schnur ganz einfach einen Großteil rekonstruieren. Am Bug das ist vorne am Schiff, und am überhängenden Heck, das sich hinten befindet und eher wie ein Löffel geformt war, da konnten wir diese Technik nicht mehr anwenden. Paul hatte zwar 5 Jahre Schiffsbau und Schiffsführung studiert, aber hier wusste er im ersten Moment nicht weiter. In der Kaffee Pause, fragte ich ob sie ein paar Holzlatten, eine Wasserwaage und einen großen Anschlagwinkel hätten. Ich hätte da eine Idee. So baute ich eine Vorrichtung mit der ich die Aufgabe innert 2-3 Stunden erledigt hatte. Kapitän Paul war schwer beeindruckt und fragte mich kurzer Hand, ob ich Lust hätte die Saison mit ihnen zu Segeln. Er offenbarte mir im gleichen Zuge, dass Spanien eher nicht in Frage käme, weil wir sonst bei jeder der 12 Kabinen einen Notausstieg neu einbauen müssten, und für diese Arbeiten währe weder das Geld noch die Zeit da. Ich dachte nicht lange nach, und sagte dem Jobangebot zu. Das ich eigentlich eine ausgewachsene Landratte war wusste er sowieso.

Ich war jetzt offiziell ein österreichischer Matrose, der keine Ahnung hatte, ob er seekrank würde oder nicht.

Fortsetzung folgt...

© Jochen Feuerstein