006 Im Rausch der Tiefe

Im Süden von Malta.

Wir richteten uns für einen Tauchgang auf 20 M her. Unser Tauchlehrer machte uns darauf aufmerksam, dass wir ca. 20 min. auf dieser Tiefe bleiben würden. Das langsame Auftauchen mit zeitweiligen Verweilen auf mehreren Stufen würde den Tauchgang dann abschließen.

Alles deutete auf einen entspannten Tauchgang hin. Druckausgleich war schon reine Routine. Als der Tiefen Messer in Richtung 20 M wanderte konnte ich es kaum fassen wie viel Wasser ich über mir hatte. Die Sicht nach unten wurde schon sehr trübe und immer dunkler.

Ich war überwältigt von einem Gefühl von kalter Wärme, als ich bemerkte, dass mein Regulator anfing undicht zu werden. Ich begann mit dem Spülen und versuchte meinem Body dem Tauchlehrer, klar zu machen, dass mit dem Regulator etwas nicht stimmte und ich nach oben müsste. Für diesen Fall hatten wir noch kein spezielles Training gemacht. Auch ein eindeutiges Handzeichen wusste ich nicht. Und als der Tauchlehrer einfach nicht begreifen wollte was hier gerade passiert, wurde ich etwas unruhig. Ich war für die Situation aber dennoch eher gefasst. Wir waren schon einige Zeit dort unten, ich war mir absolut bewusst, dass ich nicht schnell Auftauchen konnte, dennoch wollte ich eben ohne Body mein Auftauchen einleiten. Meines Erachtens hatte der Tauchlehrer einfach nicht realisiert mit welchen Problemen ich zu kämpfen hatte. Ich betätigte den Luft Einlass Knopf meiner Auftriebs Weste, mit dem Wissen, sobald ich nach oben steige, dass ich dann den Auslass Knopf drücken musste. Nun meine Ausrüstung war offensichtlich schlecht gewartet, denn der Einlass Knopf blieb bei der Einlass Position hängen!

Jetzt ging alles rasend schnell, ich wurde panisch. Mein Body versuchte mich noch zurück zu halten, schaffte es aber nicht. Ich drückte zwar den Auslass Knopf, schoss dennoch wie eine Rakete in Richtung Oberfläche. Oben platzte meine Weste und bestimmt auch tausende meine Lungenbläschen. Das Blei zog mich wieder in die Tiefe, da die Weste keinen Auftrieb mehr erzeugte. Ich konnte mich des Bleigurtes entledigen, lies ihn einfach in die Tiefe gleiten und schaffte es aus eigener Kraft an Land. Jeder Atemzug fühlte sich an wie wenn jemand meinen Brustkorb zu drücken würde. Die Anderen tauchten langsam auf.

Mein Tauchlehrer war immer noch überzeugt, dass ich nur Panik hatte. Denn er legte meine Ausrüstung ungeprüft zu den anderen Ausrüstungen.

Auf Malta gab es zu der Zeit keine Dekompressionskammer, also musste ich hoffen, dass ich mich so erholen würde.

2 Tage später notierte ich mir den 8. Mai 1994 als meinen 2. Geburtstag.

Geräte getaucht bin ich seither nicht wieder. Ohne Flasche tauchen, geht noch, aber nicht tief. Auch nicht wenn es dunkel ist, oder ins Dunkel unter ein Boot.

Außer es ist eine Notsituation, dass habe ich dann noch mehrmals bewiesen. Aber das erzähle ich ein anderes Mal.

Fortsetzung folgt:

© Jochen Feuerstein