Adrenalin verleiht auch Flügel

Es war ein windiger aber warmer Sommertag am Sandstrand in der Nähe von Saint-Julien-en-Born, an der Westküste Frankreichs. Wir waren zu viert unterwegs. Matthias und ich mit einem roten Renault 4, unser andren zwei waren mit einem VW Camper unterwegs.

Siggi hatte seinen Gleitschirm dabei. Aus einem Spaß heraus traute ich mich, an einer Leine mit dem Gleitschirm das Fliegen zu probieren. Die Drei hatten die ca. 25 M Leine in deren Händen und ich hatte diese um den Bauch gebunden. Siggi hatte mir zuvor noch die gröbsten Handgriffe gezeigt. Ich weiß bis heute noch nicht ob man Steigt wenn man die Leinen an zieht oder locker lässt. Anfangs brauchte ich mehrere Versuche um überhaupt ab zu heben, doch eine kräftige Böe vom Atlantik her, ließ mich dann in die Lüfte schwingen. Mein Bodenpersonal hatte alle Hände voll zu tun, mich und diesen riesigen Flügel in Zaum zu halten. Wie gesagt ich denke ich hatte die Leinen fest an gezogen, für mich war das sowas wie bremsen mit einem Rodel. Unten konnte ich nur ein Schreien vernehmen, doch verstanden hatte ich keinen der Drei! Es war ein fantastisches Gefühl von Freiheit, Größe und unendlicher Leichtigkeit. In dem Moment wollte ich immer weiter Fliegen bis an den Horizont.

Mein Glück war, dass der Wind dann auch wieder ein wenig nachgelassen hatte. So konnten mich meine Freunde an dem Seil wieder auf den Boden bringen. Falls sie mich nicht halten hätten können, hätte man mich aus den Dornenbüschen im Hinterland schneiden müssen. Ich landete irgendwie auf dem Sand Strand, der Gleitschirm verwurschtelte sich so das Siggi schwer beschäftigt war den Schirm wieder in die Tasche zu packen. Nachdem ich mich aus dem Sitz Geschirr befreit hatte, bekam ich einen Lachanfall, der sehr lange angehalten hatte, mir war als ob ich wohl mein Leben lang nicht mehr aufhören könnte.

Abends am Strand, feierten wir noch ausgiebig mit einer Truppe von jungen Einheimischen, die dann zu später Stunde sogar noch eine Keks- Schlacht mit uns veranstalteten. Dekadent eigentlich, aber es machte uns allen mächtig Spaß.

Zwei Tage später, in Biarritz, saßen Matthias und ich in einem gemütlichen Strandcafé, beim Postkarten Schreiben. Da erinnerte ich mich beim Datum schreiben, dass ich an dem Tag, an dem ich am Strand geflogen war, eigentlich meinen Geburtstag gehabt hätte. Gefeiert hatten wir ja und das nicht schlecht. Wir hatten alle miteinander in diesem Urlaub auf die Zeit vergessen.

Doch diesen Urlaub werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

© Jochen Feuerstein