002 Der rostige Tank

Wo ich in Malta auf der "Florette", einem alten Holz-Segelschiff, Hand gegen Koje meine ersten Wochen auf der kleinen Mittelmeer Insel verbracht hatte. Wollte ich irgend einen Job an Land ziehen. Meine Geldbörse war leer. Und meine Tage auf der "Florette" waren gezählt, der Kapitän hatte sich schon angekündigt. Ich musste auf alle Fälle vorher weg sein. Die Idee von meiner Suche nach einem großen Schiff nach Australien hatte sich mehr oder weniger in Luft aufgelöst, als ich mitbekommen hatte, dass es nicht viele Schiffe im Jahr gibt, die von Malta nach Australien fahren.

So entstand eine neue Strategie. Ich suchte einen Job als Matrose auf einer Yacht. Im Hafen erzählten sich die Leute, dass der Matrose einer Motor Yacht gekündigt hatte. Eine Chance für mich, dachte ich mir. Die Yacht war auf Anker im Hafenbecken. Ich versuchte es auf gut Glück und traf dann beim Anleger, wo alle mit ihren Dinghis zum Landgang festmachten, auf dem vermeintlichen Matrosen der Motoryacht. Er war ganz aufgelöst und durcheinander als ich ihm am Steg begegnete. Der Kapitän des Motorbootes hatte gerade mit einem Hammer nach ihm geworfen. Für mich war so etwas natürlich ein NO Go! So schlenderte ich enttäuscht von der misslungenen Arbeitssuche zurück zur Florette.

Mein Freund Matthias, die Köchin Kerstin und ich saßen gerade an Deck der Florette, bei unserer Kaffee Pause, als ein junger großgewachsener blonder Mann am Molo stand und laut den Bootsnamen "Florette" rief. So macht man das wenn man die Leute auf einem Boot auf sich aufmerksam machen will. Es war der Kapitän des Nachbar-Bootes "Sirius", die war zu der Zeit aber am Trocken Dock. Nach einer zwanglosen Vorstell-runde, fragte mich Kapitän Paul ob ich Schweißen könne. Da musste ich nicht lange überlegen, in meiner Ausbildung hatte ich das gelernt, und sagte zu mit auf die Sirius zu kommen. Wir kahmen auf ein dürftig abgesperrtes, absolut dreckiges Werft- Gelände. Es waren viele kleinere Yachten verteilt auf das ganze Areal. Wir liefen schnurstracks auf ein riesiges rostig-weißes Zwei-mast Segelschiff zu. Das Schiff lag auf einem Schlitten auf gebockt, auf einer sehr großen Slip- Anlage. Ich begrüßte alle Leute die um das Schiff herum am Arbeiten waren und folgte dem Kapitän über eine Leiter an Deck. Wir bewegten uns geradewegs auf das Vorschiff zu, da warteten die beiden Mechaniker Bart und Bert schon auf uns. Ich musste mich mehrere Ebenen in einem riesigen Wassertank hinunter zwängen, bis ich beim Rost-Loch angekommen war. Nach mehreren Versuchen einen Flicken an zu schweißen, entschieden wir uns, nach einer Idee von mir, das Ganze mit Polyester-harz zu, zu machen.

Nach Fertigstellung des Flickwerkes, konnte ich als Tagelöhner auf der Sirius bleiben. Meine neuen Arbeitskollegen waren ein Ägypter Namens Sammy, 3 Männer aus dem Krieg geplagten Jugoslawien , Die 2 Mechaniker Bert und Bart, der Zieh Bruder des Käptens und natürlich Kapitän Paul.

Fortsetzung folgt:

© Jochen Feuerstein