001 Hin und Retour?

Als ich 17 Jahre jung war, verlor ich durch einen tragischen Autounfall meine Mutter und meine ältere Schwester. Ich war an dem Tag nicht im Fahrzeug aber mein Vater und mein älterer Bruder überlebten. Nach Abschluss meiner Lehre als Werkzeugmacher und Technischer Zeichner, überstand ich dann auch meinen Wehrdienst. Mit 19 Jahren versuchte ich mich dann als 2. Juniorchef im Autohaus meines Vaters. Das war so gar nicht meine Welt. Nach einem kleinen Streit mit meinem Vater schmiss ich das Ganze hin und schmiedete mit meinen Freunden aus meiner WG den Plan vom Auswandern nach Australien.

Ein paar Leute aus der WG, ein lesbisches Pärchen aus Wien und ich, wir machten uns auf den Weg, nach Wien um dort ein Visum für Australien zu beantragen. Der Konsul dort war zu unserm Glück ein verständnisvoller sehr diplomatischer Mensch. Keiner von uns hatte genug Geld auf dem Konto um nach Australien einreisen zu dürfen. Er offerierte uns ein Visum mit der Auflage, dass wir bei der Einreise sowas um die 25.000 ATS vorweisen müssen, sonst Return to Sender. Das war einfach toll mir stand die Tür zur Welt offen, ich hatte nur zu wenig Geld für`s Zoll. Aber nach Malta hatte es gereicht, hin und retour sogar! Ich war am Anfang meiner Reise und am Ende dann doch alleine unterwegs. 6 Wochen nachdem ich bei meinem Vater alles hin geschmissen hatte flog ich mit 150 ATS in der Tasche nach Malta. Ein guter Freund war gerade einige Zeit vor mir dorthin geflogen um auf einem Tauchboot als Matrose zu Arbeiten. Ich setzte darauf, dass ich irgendeinen Job auf irgendeinem Dampfer, der von dort am besten Richtung Australien ablegt, zu bekommen. So erhoffte ich mir sehnlichst, mein Geld für die Einreise nach Australien zu verdienen.

Am Taxistand kam die Ernüchterung, mein Geld reichte nur für den halben Weg zum Hafen, wo mein Kumpel mich schon erwartete. Ich willigte ein, den halben Weg eben zu laufen. Es blieb mir eh keine andere Wahl. An einem der steilsten Hügel in Malta, wenn nicht der steilste Hügel überhaupt, warf mich der Taxifahrer aus dem Fahrzeug mit den Worten:“ Just up the Hill and down the Hill, then you are at Ta`Xbiex Harbor!“. So bin ich pleite und total durchnässt vom Schwitzen, dann endlich auf der "SS-Florette" gelandet. Ein wunderschönes altes Segelboot aus Holz.

Mein Kumpel hatte so zu sagen freie Hand an Bord. Da der Kapitän noch auf Kunden Fang in Deutschland war. Der deutschen Köchin war ich wohl sofort sympathisch. So durfte ich fürs Erste an Bord bleiben. Mir gefiel das Bord leben, Hand gegen Koje war wohl der Fachausdruck für mein Leben dort. Die Zeit verstrich, ohne das ich es bemerkt hätte, verfiel auch schon mein Rückflugticket. Ich wusste zwar das ich meine Koje bald räumen musste, doch zu dem Zeitpunkt war mir das so egal, dass es mir erst heute so richtig bewusst wird wie unverantwortlich ich damals doch war. Doch es sollten die bewegte-sten 3 Jahre meines Lebens folgen und ich würde trotzdem alles wieder gleich machen.

Fortsetzung folgt!

© Jochen Feuerstein