004 Stapellauf und Seekrankheit

In den ersten paar Tagen in meinem neuen Leben als Matrose, wurde der gesamte 35 M lange Rumpf von der Werft grundiert und weiß lackiert. Die Woche darauf war unser Stapellauf, eine sehr imposante Geschichte mit Tauchern, knarrenden Stahlseilen und ein mächtiges Schwanken als die 280 Tonnen dann im Meer schwammen. Schnell war unser provisorischer Liegeplatz erreicht. Wir wurden von den Werftarbeitern Verholt (ohne Schiffs Motor an einen Liegeplatz bewegen) und machten unser Boot fest. Sammy und die 3 Männer aus Ex- Jugoslawien, waren nicht mehr an Board. Wegen Sammy hatte ich ein schlechtes Gewissen, er war doch vor mir an Board und nun hatte ich den Job für die Saison. Paul erklärte mir aber, dass er mit 17 Jahren sowieso nicht anheuern hätte können.

Unsere Mechaniker warteten noch immer auf Ersatzteile für unsere Hauptmaschine einen großen IVECO Turbodiesel. Als Ronny unser Mann vom Marine Center mit der Nachricht an Board kam, dass die Teile schon seit längerem beim Zoll liegen würden, und es am besten wäre wenn jemand die Teile dort abholen geht, um die klassischen Zoll Komplikationen ab zu wickeln. Da sprangen Bert und Bart ohne langer Rede in unsern Miet Wagen und machten sich auf den Weg.

Am folgenden Tag als ich eigentlich zum Reling Malen eingeteilt war, tobte draußen ein heftiger Sturm. Sogar im gut geschützten Hafen war der Seegang sehr stark und das Wetter verschlechterte sich dramatisch, so dass ich an Deck nicht Arbeiten konnte. Da fragte mich Bert, ob ich als Handlanger im Maschinenraum helfen wolle. Ich sagte ich könne es versuchen, aber die englischen Fachausdrücke würde ich wohl nicht immer verstehen. Englisch war nämlich unsere Board- Sprache. Er winkte ab, übersetzte mir ein paar Werkzeuge die sie einsetzten, und schwups hatte ich einen öligen Arbeitsanzug an, lag neben dem für mich riesigen Motor auf einer Pritsche mit dem Bauch nach unten, um den Beiden, die unter der total zerlegten Maschine hingen, ihr Werkzeug zu reichen. Unser Schiff rollte hin und her. Nach wenigen Handgriffen war mir als drehte sich mein Magen um. Bert schickte mich an Deck, :"Du brauchst frische Luft!". An Deck ging es mir schnell besser, aber ich war mir nicht sicher ob ich es auf einem schwankenden Schiff aushalten könnte!? Unser Kapitän setzte zum ersten Mal seit ich ihn kennen gelernt hatte, einen ernsthaften Blick auf und meinte, wenn ich dauerhaft Seekrank sein würde, dann könne ich nach Hause fahren, weil ich dann statt einer Hilfe zu sein, ihnen nur zur Last fallen würde. Bert hatte mitgehört und beruhigte die Situation indem er sagte, dass ich als Matrose eigentlich eher an Deck arbeiten würde und nicht im stickigen Maschinen Raum.

Am nächsten Tag traf Steff die neue Freundin unseres Kapitäns ein. Sie war bevor ich anheuerte, nach Deutschland gefahren um dort ihren Hausstand auf zu lösen, weil sie vor hatte als Köchin mit zu segeln. Sie wusste übrigens auch noch nicht ob sie Seefest ist oder nicht.

Fortsetzung folgt:...

© Jochen Feuerstein