Das müsst ihr von eurem Vater haben!

Maria Maier hatte in ihrem Leben nicht viel zu lachen. Ihr Mann war stolzer Besitzer von einundzwanzig Vorstrafen. Wenn er nicht gerade wieder einmal im Gefängnis saß, verdingte er sich am Bau. Nicht selten war er nach einem "Suff" am Tag darauf schon blau und wurde vom Chef verjagt. Dann gab es gab eben kein Geld, sodass Frau Maier nicht wusste , wie sie die Familie ernähren sollte.

Momentan saß ihr Mann wieder in einer bekannten Haftanstalt ein, weil er gemeinsam mit seinem Kumpel beim Umbau eines Nobelhotels an den vollen Kellerregalen nicht hatte vorbeigehen können, ohne sie in der Folgenacht auszuräumen. Anschließend wurde im Hause Maier regelmäßig mit Freunden bis in die Nacht hinein gefeiert, bei Kerzenlicht und mit Weinen der Marke "Rotschild". Nach den Gelagen kamen die Männer am Morgen meist wie tote Fliegen auf die Baustelle und waren fast zu keinem ordentlichen Handgriff fähig. Ihre lautstarken nächtlichen Partys hatten allerdings verursacht,dass man sie bald darauf des Diebstahls verdächtigte.

Beim Eintreffen der Kiberer öffnete Peter Maier - ein Glas Wein in der Hand - persönlich die Tür. Ihm wurde sofort klar, dass es sich nun ausgefeiert hatte. Bei der folgenden Hausdurchsuchung war noch immer ein großer Vorrat an Spezialitäten des Hotels vorhanden.

Wochenlang hatten die Täter wie Maden im Speck gelebt. Nun war der Zauber allerdings vorbei. Keine französische Entenpastete mehr. Ab sofort ging die Verköstigung der Übeltäter wieder wesentlich karger vonstatten. Vater Staat hat schließlich auch in Haftanstalten nichts zu verschenken. Wenn Maier dann abends in seiner Zelle lag, dachte er mit Grauen an die aktuelle Verpflegung und träumt von vergangenen Köstlichkeiten. Dann kam es manchmal vor, dass er einen tiefen Seufzer ausstieß. Einen, den sogar die Wärter bis auf den Gang hinaus hörten.

Mutter Maier war am Schicksal ihrer Heirat zerbrochen. Zwei Drittel der Ehe hatte sie sich mit drei Kindern allein durchschlagen müssen, weil ihr Mann regelmäßig hinter Gittern saß. Dabei bekam sie so richtig zu spüren, was es heißt, wenn drei Personen vom Bezug einer Reinigungsfrau in geringer Beschäftigung, etwas aufgebessert durch den Bezug der Sozialhilfe, leben mussten. Aber das bewegte Maier wenig. Denn kaum freigelassen, plante er meist voller Optimismus schon wieder einen neuen Coup und fiel dabei regelmäßig auf die Schnauze. Bei seinen kriminellen Neigungen war er alles eher als ein Genie.

Auch sonst hatte die Mutter mit ihrer Familie wenig zu lachen und bei der Erziehung ihrer zwei Söhne ging vieles schief. Zu widerspenstig waren sie für die Kraft der Frau.

„Das müsst ihr von Eurem Vater haben“, lautete dann ein geflügeltes Wort. Gedanken an eine Trennung kamen ihr trotzdem nicht. Dafür hätte sie nie den nötigen Mut aufgebracht, und so musste sie dieses grässliche Leben einfach weiterführen.

© Johann Jäger