Der Feuerteufel

In der zweiten Hälfte des Jahres 1973 wurden die Gendarmen und die Feuerwehren unseres Bezirkes auf eine harte Probe gestellt, denn ein unbekannter Brandstifter wütete mit insgegsamt sieben Brandlegungen.

Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung litt dabei dermaßen, dass seitens des Bezirksgendarmeriekommandos intensive Personalmaßnahmen gesetzt werden mussten. Einige Sparten, wie zum Beispiel der Verkehrsdienst, wurden völlig zurückgefahren, sodass jede Nacht mindestend dreißig Beamte zu umfangreichen Ermittlungen und Überwachungen herangezogen werden konnten. Aber all diese Bemühungen und der riesige Aufwand blieben leider erfolglos.

Der Druck durch die Medien, die den unbekannten Täter, wenn er wieder zugeschlagen hatte, nur noch als "Feuerteufel" bezeichneten, wurde immer größer. In erster Linie gingen immer wieder landwirtschaftliche Wirtschaftsgebäude in Flammen auf. Der Aufwand und die Schäden waren enorm. Die freiwillige Feuerwehr und zahlreiche Helfer beteiligten sich an den Brandbekämpfungen, wodurch jeweils wenigstens ein Übergreifen des Feuers auf Nachbarobjekte verhindert werden konnte. Auch intensive Ermittlungen bei den Nachbarn der abgefackelten Objekte brachten keinen Erfolg, denn nie war jemandem irgend etwas Konkretes aufgefallen. Es war zum Verzweifeln.

Am Neujahrtag, wenige Stunden nach einer neuerlichen Brandlegung, konnten die Beamten dem Täter schließlich durch vertrauliche Hinweise einiger Feuerwehrmänner auf die Spur kommen. Und dabei gelang der Durchbruch. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich etwas Unglaubliches heraus, das fast nicht möglich schien: Beim "Feuerteufel" handelte es sich nämlich um einen jungen Feuerwehrmann!

Seinen Kollegen war aufgefallen, dass der "Florianijünger", der üblicherweise einen Feuerwehrwagen lenkte, bei den erwähnten Einsätzen fast immer schon vor der Auslösung des Brandalarmes oder unmittelbar danach bei der Zeugstätte eintraf, so als wenn er dorthin geflogen wäre.

Bei seiner Einvernahme war sogar der Vorsteher des Bezirksgerichtes anwesend und es dauerte gar nicht allzu lange, bis er ein erstes Teilgeständnis ablegte. Nach seinen Schilderungen hatte es ihm riesigen Spaß bereitet, mit Folgetonhorn und Blaulicht zum Einsatzort zu rasen und dabei die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. In der Folge gab er auch noch zu, dass er sich wegen Verlustes seines Arbeitsplatzes einfach ordentlich abreagieren wollte. Über die riesigen Schäden, die er durch seine Straftaten verursacht hatte, schien er sich keinerlei Gedanken gemacht zu haben.

Sämtliche Feuerwehren, die gesamte Gendarmerie, alle bei der Klärung der Fälle involvierten Organe und sämtliche Bewohner unseres Bezirkes waren heilfroh und atmeten befreit auf, als dieser Horror der letzten Monate endlich zu Ende war.

Der Täter wurde in das landesgerichtliche Gefangenenhaus nach Salzburg eingeliefert.

© Johann Jäger