EINSZWEIDREI IM SAUSESCHRITT VERGEHT ...

Kurz nachdem ich in den Sechzigerjahren nach Zell am See kam, meldete ich mich zur Alpinen Einsatzgruppe. Wie ich mich noch erinnern kann, mussten wir einmal sogar am Heiligen Abend auf die Schmittenhöhe ausrücken, um nach schwedischen Urlaubern zu suchen. Das waren für uns anstrengende aber auch spannende Ereignisse. Im Jahr 1962 legte dann unser Leiter der Einsatzgruppe eine Alpinübung auf dem Kitzsteinhorn fest und teilte uns vorher mit, dass zum ersten Mal ein Rettungsflugzeug, das zusätzlich mit Kufen ausgestattet sei, an der Übung teilnehmen und auf dem Kees eine Reihe von Starts und Landungen vornehmen werde. Wir müssten aber vorher zu Fuß aufsteigen und Assistenz leisten. Die vom Innenministerium 1956 eingerichtete Flugeinsatzstelle, zu deren Bestand ein kleines Flächenflugzeug gehörte - Hubschrauber gab es für diese Zecke noch nicht-, diente weitgehend nur exekutiven Einsätzen. Alpine Rettungskräfte hatten ihre Arbeit noch „per pedes“ zu absolvieren.Und nun erwartete uns eine derartige Neuigkeit! Wir fanden das wunderbar.

Anzumerken ist noch, dass der zu unserem Einsatzgebiet gehörende Bereich damals eine völlig unberührte Winterlandschaft war. Der Seilbahnbau begann erst später. Vom Gasthof „Wüstlau“ stiegen wir mit den Skiern samt Steigfellen auf bis zur Krefelder Hütte. Nach dem Konsum eines kräftigenden „Kaiserschmarrns“ folgten am Nachmittag Übungen zur Rettung aus Lawinengefahr, Bergungen, und wir übten das richtige Begehen von Felsgraten im Winter.

Die Nacht verbrachten wir im „Lager“, dieser einfachen Schlafstelle für Alpinisten. Eineinhalb Stunden nach dem Frühstück waren wir im oberen Bereich des damals noch mächtigen Gletschers angelangt, denn dort musste das Flugzeug zum Stillstand kommen, um später eine möglichst lange Startbahn vorzufinden.

Fast auf die vereinbarte Minute genau hörten wir ein Motorengeräusch und sie war über uns, die kleine „Piper“. Eine Minute später setzte das Maschinchen mit den Kufen seitlich von uns auf. Der Pilot stellte den Motor ab, worauf wir uns nähern durften. Zuerst wurde ein Erinnerungsbild geknipst, dann drehten wir den Vogel gemeinsam um, so dass der Propeller in Richtung Tal schaute, und schließlich durfte jeder von uns eine Runde mitfliegen.

Ich war sehr aufgeregt, weil ich noch nie einen Flug absolviert hatte. Der Pilot zog den Gashebel bis zum Anschlag durch und das Fluggerät setzte sich, auf den Kufen nach links und rechts schlenkernd, in Bewegung. Für meine Begriffe viel zu langsam, denn der Gletscherabbruch kam näher und näher, sodass ich schon mehrere hundert Meter tief in den Abgrund sehen konnte, als wir endlich in die Luft kamen.

Am späten Nachmittag fuhren wir wieder mit den Skiern zur Hütte, um die Übungen nächsten Tag fortzusetzen. Natürlich ohne Rettungsflieger, ohne Seilbahn und ohne Unterstützung aus der Luft.

© Johann Jäger