DIE KNASTBRÜDER

Mehrere Jahre lang saßen die drei Knastbrüder gemeinsam mit Mördern und Räubern in einem Gefangenenhaus ein. In dieser Zeit hatte sich ihre Verköstigung karg gestaltet. Endlich wieder auf freiem Fuß , konnten die Männer neue Planungen in die Tat umsetzen. Supermärkte stachen ihnen ins Auge, wobei jeder seine eigenen „Stärken“ einsetzte: Fritz war Fassadenkletterer. Das lag ihm, dem flinken Hund, der gern durch Oberlichten einstieg. Fidelis, ständig bewaffnet, stand meist Schmiere. Blieb noch Jack, ein Spezialist für den Diebstahl von Kraftfahrzeugen. Das Geschäft lief prächtig. Fast jede Nacht ein „Bruch“. Auch die Frauen daheim wurden bestens versorgt.

Es war eine ruhige Nacht, in der Bezirksinspektor Viertler und Revierinspektor Macho ihren Funkpatrouillendienst absolvierten. Aber der Schein trog. Punkt ein Uhr nachts mussten sie zum nächsten Großmarkt fahren, weil von dort Einbruchsalarm eingelangt war. Wenige Minuten später sprangen sie auf dem schwach beleuchteten Großparkplatz aus ihrem Wagen. Während Viertler den Haupteingang des Gebäudes überprüfte, sah sein Begleiter, dass sich ein menschlicher Schatten aus der Nische eines der Notausgänge löste, zum Ende des Gebäudes rannte, über einen Zaun sprang und auf der angrenzenden Wiese verschwand. Der Revierinspektor eilte ihm sofort nach, hielt seine Pistole schussbereit in der rechten Hand und streckte den linken Arm mit eingeschalteter Taschenlampe von sich, so wie er es gelernt hatte. Das rette ihm vermutlich sein Leben, denn Fidelis, in der Wiese lauernd, gab aus einer Entfernung von ungefähr zehn Metern auf ihn kurz hintereinander zwei Pistolenschüsse ab. Fidelis traf seinen Verfolger aber nicht. Der Gendarm warf sich zu Boden. Macho hörte, dass sich sein Kontrahent bewegte, blieb aber liegen. Nach etwa 10 Minuten beging Fidelis einen gravierenden Fehler. Er schoss blindlings mehrmals in die vermutete Richtung seines Verfolgers. Darauf hatte dieser aber nur gewartet und gab seinerseits drei gezielte Schüsse direkt in das aufflammende Mündungsfeuer ab. Kurz darauf hörten die Gendarmen einen Wagen, der sich mit einem Höllentempo aus dem Staub machte.

Eine sofort eingeleitete Alarmfahndung verlief negativ. Der Spurenlage entsprechend, mussten es mindestens drei Täter gewesen sein. Aber Macho hatte beim Schusswechsel seinen Kontrahenten getroffen, so dass die DNA von Fidelis fixierbar war. Zusätzlich fiel eine Woche später in Tirol ein gestohlener und von vorerst unbekannten Tätern zurückgelassener Wagen auf, in dem Fingerabdrücke von Fritz, Fidelis sowie Jack vorhanden waren.

Nach dem französischen kriminalistischen Sprichwort: „Cherchez la femme!“ wurden die Ehegattinnen der drei Täter beschattet und ihre Telefone überwacht.

Als die Frauen nach Tirol reisten, wo sie sich mit den Männern in einem Hotel einquartierten, wurden alle zusammen auf einen Schlag verhaftet.

© Johann Jäger