Hunde

„Du magst doch sicher auch ein kleines Hündchen haben, kleiner Bruder, oder?“ Artig nickt dein 18 Monate alter Bruder und du blickst triumphierend zu Papi: „Na siehst du!“ „Was soll ich da sehen?“, fragt Papi provokativ.

Hunde. Du willst einen Hund haben. Ich auch - Ja, ich will! Ich bin selbst mit einem Hund groß geworden, dessen erste Nacht er bzw sie in meinem Bett verbrachte. Sie war als Welpe kleiner als eine Katze, selbst bei den Stufen zur Wohnung hinauf mussten wir mithelfen. All` diese Geschichten kennst du und deshalb: „Wir alle wollen einen Hund!“

„Alle?“, fragt Papi mit hochgezogenen Augenbrauen. „Also, ich nicht und damit seid ihr nicht alle.“ Nun ziehen sich deine Augenbrauen zusammen: „Aber, aber...“ Du ringst nach Worten. „Diese Griechen sagen 3 sind mehr als 1 und, und...“ Verzweifelt wandert dein Blick zu mir. Da versucht eine 5-Jährige ihrem Papi den Sinn einer demokratischen Entscheidung darzulegen. Ich schmunzle und helfe weiter: „Wir drei hätten einfach gerne einen Hund.“ Du nickst, dein kleiner Bruder nickt nachahmend, aber verständnislos. Doch Papi bleibt hart: „Solange nicht alle von euch Dreien selbstbestimmt ihre Meinung äußern können, ist das sicher keine demokratisch getroffene Entscheidung.“

Natürlich bekommen wir keinen Hund. Doch dein Wunsch bleibt konstant erhalten. Lediglich die Erklärung, dass das Christkind keine Lebewesen verschenkt, lässt dich davon abbringen, den Hundewunsch bei höheren Mächten zu deponieren.

Doch die Zeit ist auf unserer Seite. Ein knappes halbes Jahr später ist es so weit. Die Artikulationsmöglichkeiten deines Bruders sowie dessen eigener Wille sind gereift. „Du gehst jetzt zu Papi und sagst ihm das mit dem Hund“, höre ich dich flüstern. Folgsam stapft der Kleine zu Papi: „Ich bitte Hunde kann ich haben?“ Sein Dackelblick trifft jedoch nicht Papis Herz. „Manipuliert bist du schon ein bisschen von den Damen, oder?“ Ahnungslos nickt dein kleiner Bruder. „Na eben. Außerdem wiege ich mehr als ihr zusammen, und solange wiegt auch meine Stimme mehr. Nein, kein Hund.“ Du flüchtest weinend zu mir: „Der versteht das mit den Griechen nicht! Die wollten sich nicht abwiegen!“ Einige Monate später ist es aber dank des Appetits deines Bruders soweit. Wir wiegen ein Kilo mehr. Doch Papi bleibt hart.

Resigniert rügst du mich: „Also Mami, eines sag ich dir schon. Wenn ich groß bin, frage ich meinen Mann, ob er einen Hund will, bevor ich ihn heirate! Sonst such ich mir einen anderen!“ Tja, da hab` ich wohl was falsch gemacht.

Nun geht es aber darum, Fakten zu schaffen. Du witterst eine Chance. „Bitte Mami, mach mein Geschenk zuerst auf!“, schreist du regelrecht bei meiner Familien-Geburtstagsfeier. Ich öffne langsam und theatralisch vor Aufregung zitternd das Geschenkspapier. Zum Vorschein kommt ein Klopapierrollenhund. „Mami, das ist ein Hundegutschein! Du darfst dir einen Hund aussuchen. Und Papi brauchen wir nicht mehr zu fragen. Geschenkt ist schließlich geschenkt!“

© Johanna Floss