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#familie#kinder#liebe

Schulbeginn

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Schulbeginn | story.one

Dunkelgrau sind die Wolken am Himmel. Es regnet. Nein, es schüttet. Und, es ist dein erster Schultag. Schulbeginn. Das bedeutet die Schultasche, nahezu körpergroß, am Rücken, die Schultüte in Händen und ein strahlendes Lächeln im Gesicht. Du schüttelst deiner Lehrerin die Hand. Blickst sie an voller Zuversicht und Vertrauen. Sie lächelt dich freundlich und aufmunternd an, als du ihr deine kleine Hand reichst. Papi, dein kleiner Bruder und ich stehen hinter dir. Betrachten dich. Papi mit einem liebevollen Lächeln und ich mit Tränen in den Augen. Wehmütig, stolz und voller Liebe. Wo ist die Zeit geblieben? Wohin ist sie verflogen?

Schulbeginn. Schulstart. Ein neuer Lebensabschnitt. Alles aufregend anders und alles neu. Für dich, für uns. Ein neuer Tagesablauf, neue Freunde, eine neue Bezugsperson. Wie wird es für dich sein? Werden all deine Vorstellungen und Erwartungen erfüllt werden? Wirst du dich wohl und geborgen fühlen? Wird es gelingen, dir Flügeln wachsen zu lassen?

Ich wünsche es dir, mein Kind. Wünsche es dir von Herzen, wie man etwas nur wünschen kann. Denn Schule kann so vieles. Es ist nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung, der Wissensanhäufung. Es ist ein magischer Ort, durch den du deine Träume Wirklichkeit werden lassen kannst. Ein Ort, wo deine Fähigkeiten und Talente ausgebaut werden können, wo du deine Stärken stärken kannst. Die Schule als ein Ort, durch den du neue Welten entdecken und Abenteuer erleben kannst. Schule kann so vieles.

Meine Gedanken wandern zurück in meine Volksschulzeit, als die Schultasche noch eckig und ohne gepolsterten Rücken war und als eine Schultüte noch nicht jeder hatte. Man kam einfach in die Schule. Ohne Zinnober, ohne Tamtam. Meine Volksschullehrerin, die mit Hausverstand und Empathie ihre Schulstunden abhielt. Noch heute erinnere ich mich an einen, deiner Oma Kopfzerbrechen bereitenden Aufsatz von mir: „Der Käfer kraite auf den Baum.“ „Johanna, das kann man sagen, aber nicht schreiben. Kraite ist kein Wort!“, bestand Oma darauf, das NichtWort „kraite“ durch „klettern“ zu ersetzen. Doch, sie wurde eines besseren belehrt, von meiner Lehrerin: „Wenn du kraite unter Apostroph setzt, kann man es so lassen.“ Und ich schrieb triumphierend mit unter Apostroph gesetzten Wörtern weiter. Oma war von da an gezwungen, mich selbst machen, mich etwas von der Hand zu lassen.

Nun lassen wir dich ein wenig los, ein wenig von unserer Hand, und hoffen, dich für diese Welt, für das Schulleben stark genug gemacht zu haben. Stark genug, um deine Träume zu finden und ihnen zum Leben zu verhelfen.

Du aber fliege jetzt los und sauge auf, was dir zum Lernen dargeboten wird. Es gibt so vieles zu entdecken und zu lernen! Halte Augen und Ohren offen, sei achtsam, was dir gelehrt wird, aber auch achtsam den Menschen gegenüber! Ich bin da. Werde dich auffangen, wenn du stürzt, dich trösten, wenn es anders läuft als gedacht. Ich und Papi sind da. Wir stehen hinter dir, so wie heute zu Schulbeginn. Immer.

© Johanna Floss 2019-09-15

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