Dünne Luft mitten in der Nacht

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Unsere Teilnahme bei der Patrouille de Glacier war an Perfektion kaum zu übertreffen. Es handelt sich hierbei um das größte Skitourenrennen der Welt. Die Strecke führt von Zermatt nach Verbier. In Daten und Zahlen sind es 4200 Höhenmeter und 60 Kilometer. Das Rennen wird in 3er Teams bestritten. Da man einige Gletscher überqueren muss, verbringt man eine gewissen Zeit in einer Dreierseilschaft. Es ist wohl eines der aufwendigsten Veranstaltungen die ich kenne. Neben unzähligen Transporten mit dem Helikopter sind auf der gesamten Strecke unglaubliche viele Helfer verteilt, damit die Sicherheit der Teilnehmer gewährleistet werden kann. Das Rennen findet nur bei perfekten Bedingungen statt, weshalb es in der Vergangenheit schon oft zu Absagen kam.Ich hatte das große Glück mit zwei unglaublich starken und coolen Mädels im Team zu sein. Die Vorbereitungen verliefen super und wir fühlten uns bereit. Neben der ganzen Materialorganisation verbrachten wir auch einige Tage am Gletscher um uns optimal vorzubereiten. Wir starteten am Samstag, den 22. April 2018 um 0:30. Nachdem ich eine Stunde an dem vorherigen Abend geschlafen hatte fühlte ich mich anfangs natürlich müde als der Wecker um 23:00 schon wieder klingelte. Diese Ungewissheit ob der Körper mitten in der Nacht mitspielte und Leistung abrufen konnte war fast nicht auszuhalten. Die ersten Stunden in der Nacht verliefen problemlos. Als wir nach ca 3-4 Stunden den höchsten Punkt erreicht hatten merkte ich schon wie sehr meine Beine von der Höhe angestrengt waren. Ich wusste genau, dass ich jetzt alle Kräfte sammeln musste damit wir unverletzt mit dem Seil ins Tal kamen. In Arolla angekommen stärkten wir uns und wussten, dass wir die Hälfte geschafft hatten. Voller Adrenalin und Motivation ging es weiter. Es war einfach unglaublich spannend mitten in der Nacht bis auf knapp 4000m Höhe zu kommen. Der Sternenhimmel war sehr gut zu sehen. Dieses Gefühl war einfach magisch. Es dämmerte allmählich. Wir mussten ein steile Rinne besteigen. Es waren sehr viele Teams in dieser Passage, weshalb wir etwas warten mussten. Der Ausblick lenkte uns gut von dieser Wartezeit ab. Die Route führte uns vorbei an einem unglaublich schönen Stausee. Hell wurde es nun. Ich konnte es kaum erwarten die ersten Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht zu spüren. Die Strapazen wurden immer härter. Ich sah das Ziel gedanklich schon vor mir. Eine lange Tragepassage stand uns noch bevor. Die Leute hörte ich jubeln und eine große Menschenmasse war zu sehen. Das motivierte uns natürlich noch mehr. Zur Draufgabe kam die Sonne hervor und wir durften diesen unglaublich schönen Sonnenaufgang genießen. Eine Stunde später waren wir nach 8 1/2 Stunden im Ziel. Ich bin so unglaublich dankbar, das alles gut ging. Wir waren ohne Materialprobleme oder körperlichen Beeinträchtigungen gesund ins Ziel gekommen. Perfekter hätte es nicht sein können.

© Johanna Hiemer