Einfach nur ein Mensch

Als Studenten bewegten wir uns natürlich viel in eigenen Kreisen. Natürlich waren wir offen für alle, liberal und weltbürgerlich eingestellt; aber machen wir uns nichts vor: Meistens brieten wir dann doch im eigenen Saft.

Raus aus dem Milieu kamen wir eigentlich nur, wenn wir weg von der Uni und hinein in andere Bereiche gingen. Etwa beim Sport. Da spielten in der Hobbyfußballtruppe dann tatsächlich Studenten mit Beamten, Soldaten mit Frührentnern, Künstler mit Hausmännern, Ärzte mit Polizisten, Banker mit Arbeitslosen. Und nicht zuletzt: Deutsche mit Ausländern. Wie selbstverständlich. Egal woher.

Als ich meinen 21. Geburtstag feierte, waren dann auch alle da: Studienkollegen aus den Seminaren, Freunde von früher, und die Multi-Kulti-Gruppe vom Sport. Ja, auch welche, von denen keiner weiß, woher sie kommen, warum sie bei uns leben und was sie sonst so tun.

Es war eine klasse Party, auch wenn am Ende doch viele wieder im Kreis zusammenstanden, in dem sie halt immer waren, in dem sie gekommen waren und zumeist auch wieder gingen. Trotzdem war es einfach schön, sie alle da zu haben.

Die Überraschung kam dann am Ende, lange nach Schluss der Feier. Achmed war mir vorher schon aufgefallen. Nicht, dass ich viel über ihn wüsste; aber er ist einfach ein sympathischer, toller Typ. Da war es also mitten in der Nacht, vielleicht so gegen drei Uhr morgens, und ich hatte mich gerade entschieden, nicht mehr aufzuräumen, sondern direkt ins Bett zu gehen.

Da höre ich noch jemanden zum Haus zurückrennen. Ich öffne die Tür, und es ist Achmed, noch außer Atem und ziemlich durchgefroren.

Er war erst mit den anderen zurückgefahren, dann aber fast am Ende der Strecke aus dem Auto ausgestiegen und im Trab zurückgelaufen – um sich bei mir zu bedanken! Eine gute halbe Stunde durch Wind und Wetter, quer durch die Stadt, mit der Aussicht auf einen ebenso langen Rückweg und eine immer kürzer werdende Nacht, nur um mir „Danke“ sagen zu können …

Ob jemand willkommen ist, ist keine Frage von Nation oder Religion. Wie Menschen miteinander umgehen, entscheidet sich nicht in großen Diskussionen, Verhandlungen oder Strategiepapieren. Wichtig ist das kleine Zeichen im Alltag, die Aufmerksamkeit im genau richtigen Augenblick, das Lächeln in der offenen Tür. Wir sind doch einfach nur Menschen. Alle.

© Joop-van-Hövede