Hinter dem Horizont

Es gibt solche Tage, da zieht sich der Himmel zu. Da fällt der Regen aus schweren Wolken, da wird es dunkel um mich, weil buchstäblich das Licht ausgeht.

Wenn dann nur ein winziger Sonnenstrahl am Himmel erscheint, dann ist da plötzlich nicht nur ein Regenbogen. Dann ist da plötzlich eine Brücke, ein Gruß aus einer anderen Welt.

Im Grunde bin ich kein religiöser Mensch. Aber an einem dieser Tage nahm ich Stift und Block in meine Hand und schrieb an einen unbekannten Freund …

Mein Lieber, ich möchte Dir heute etwas sagen, das ich noch niemand sonst gesagt habe.

Wenn ich mich alleine fühle, kannst nur Du mir helfen. Mir sagen, woher diese Einsamkeit kommt, mir zeigen, wo es langgeht, was ich machen soll.

Alles ist so neu für mich. Du sagst mir, wozu ich „Ja“ sagen kann und wann ich „Nein“ sagen muss. Bin ich traurig, kommst Du zu mir.

Du legst Deinen Arm um mich und tröstest mich.

Du fühlst, wenn ich Ruhe brauche, wirklich allein sein möchte. Du spürst genau, wann ich spiele und wann ich ernst sein will.

Du saugst meine Unsicherheit auf wie ein Schwamm, und ich fühle mich warm und geborgen. Du lächelst meine Tränen weg, und ich sehe die Sonne wieder hinter dem Schleier.

Du sagst mir, was ich falsch mache, ohne mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Du kritisierst mich, wenn ich es verdient habe, und Du lobst mich, wenn ich es brauche.

Du merkst sofort, wenn ich Angst habe, und versuchst sie mir zu nehmen.

Du gibst mir Kraft, wenn ich für unsere gemeinsame Sache kämpfe.

Mache ich mir etwas vor, durchschaust Du mich sofort, bevor ich es selber merke.

Mache ich Dir etwas vor, lächelst Du meine Tarnung einfach weg.

Danach aber reißt Du mir die Maske weg und hältst mir den Spiegel vor.

Und ich erkenne mich wieder, wie ich wirklich bin.

Bin ich glücklich, lachst Du und freust Dich mit mir.

Wenn ich einmal nicht mehr hier sein sollte - Du wirst mich vermissen.

Noch weiß ich nicht, warum ich Dir das alles schreibe.

Aber Du weißt es längst. Als Freund.

Ich danke Dir so sehr, Jesus.

Und sollte es ihn wirklich geben, nicht damals, sondern heute noch, hat er sich vielleicht sogar über meinen Brief gefreut. Mir jedenfalls hat es gut getan.

© Joop-van-Hövede