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Ostern per Livestream

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Ostern per Livestream | story.one

Für gläubige Christen aller Konfessionen ist es sehr schwierig, die Karwoche nicht in einer kirchlichen Gemeinschaft zu feiern. Ostern ist ja die wichtigste Feier für Christen und der Glaube daran, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, elementar. Bei mir hat es viele Jahre gedauert, bis ich vom Atheisten zum Agnostiker und dann zum gläubigen Christen wurde. Mir ist der Glaube zugefallen. Wie die Liebe nicht erzwungen werden kann, so kann auch der Glaube nicht erzwungen werden. Es ist kein Privileg, ein gläubiger Mensch zu sein, sondern eine Verantwortung. Eine Verantwortung dafür, aus dem Glauben heraus ein Leben zu führen, das stimmig ist. Mich nicht zu verdrehen. Zu dem zu werden, der ich bin. Und niemanden zu missionieren. Meinen Glauben nicht als Fahne vor mir her zu tragen. Wenn aus dem Glauben heraus gelebt wird, braucht es dafür keine äußeren Zeichen.

Ich erinnere mich an ein paar Stunden, die ich mit einer evangelikalen Gemeinschaft verbracht habe. Diese Menschen schienen sehr fröhlich zu sein. Aber ich erkannte bald, dass sie sich als „Auserwählte“ sehen. Nur wer so wie sie glaubte, der würde erlöst werden. Die Erlösung würde also nur jenen Menschen zuteil, die bereit waren, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen. Ich machte somit schnell einen großen Bogen um diese „Gemeinde“. In den U.S.A. gibt es sehr viele evangelikale Gemeinschaften. In Österreich hält sich das noch in Grenzen. Wer aber tatsächlich der Auffassung ist, dass nur „Auserwählte“ erlöst werden, hat von vornherein einen sehr engstirnigen Begriff von Gott. Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, wo dem Einzug Jesu in Jerusalem gedacht wird. Er wurde auf einem Esel reitend vom Volk bejubelt und mit Hosanna-Rufen bedacht. Als er wenig später verhaftet wird, spitzt sich die Lage zu. Er wird nach einigem Hin und Her zum Tod am Kreuz verurteilt. Und drei Tage nach seinem Tod am Kreuz folgt seine Auferstehung. So die Geschehnisse in Kurzfassung. Am Karfreitag wird von den Gläubigen der Kreuzweg beschritten. Und am Karsamstag die Auferstehung Jesu gefeiert. DER TOD HAT NICHT DAS LETZTE WORT. Das ist das Entscheidende an Ostern.

Und das ist ein großer Trost für alle Menschen, die diese Botschaft in ihr Herz geschlossen haben. Und deswegen ist es so wichtig, dass in sehr schweren Zeiten wie jetzt das Osterfest im Rahmen der Möglichkeiten gefeiert wird.

Es gibt die Gelegenheit, Ostern per Livestream mitzuerleben. Dies bieten viele Pfarren an. Und damit wird möglich, das Entscheidende wieder zu verinnerlichen. Denn es geht gerade an Ostern darum, Licht am Ende des Tunnels zu sehen. So dramatisch die Situation auch sein mag, in der wir uns jetzt befinden, gilt es, nicht zu verzweifeln, sondern hoffnungsfroh zu sein. Jeder, der mag, kann die Passionsgeschichte in der Bibel nachlesen und sich darüber Gedanken machen. Und es gilt in diesen Tagen die Familie hochzuhalten und da können die Feiertage besonders bedeutsam sein.

© Jürgen Heimlich 05.04.2020

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