R.E.M.

Am 19. Februar 2019 verspürte ich in mir den Wunsch, mir wieder „Losing my religion“ von R.E.M. anzuhören. Zu diesem Zeitpunkt war es sicher schon gut drei Jahre her, dass ich zuletzt diesen großartigen Song gehört hatte. Noch am selben Tag machte mich dann ein Beitrag in einem sozialen Netzwerk darauf aufmerksam, dass die Erstveröffentlichung von „Losing my religion“ am 19. Februar 1991 erfolgt war. Ein Grund dafür, dass ich mir den Song anhörte, war auch, mich auf den Beitrag einzustimmen, den ich nun zu schreiben begonnen habe. Denn mit R.E.M. verbindet mich eine erstaunliche Begebenheit.

Es mag ein kurioser „Zufall“ sein, dass ich genau 28 Jahre nach der Veröffentlichung von „Losing my religion“ Lust darauf hatte, mir den Titel anzuhören. Doch etwa 20 Jahre zurück, im Jahre 1999, hörte ich davon, dass R.E.M. einen Auftritt in der Wiener Staatsoper plante. Ein einmaliges Ereignis! Ich hatte eine Vorahnung, dass es nicht einfach sein würde, an eine der begehrten Karten zu kommen. Der Verkaufsstart wurde schließlich bekannt gegeben, und sogar mit einer Uhrzeit versehen. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich meine Möglichkeit beim Schopf ergreifen und mich in eine der Verkaufsstellen begeben.

In der leicht vorgezogenen Mittagspause betrat ich eine Bankfiliale und fragte eine Angestellte, ob denn schon Karten für das R.E.M.-Konzert gekauft werden können? Es verhielt sich so, dass insbesondere eine bestimmte Bank ein Karten-Kontingent zur Verfügung haben sollte. Mir wurde mitgeteilt, dass das System derzeit keinen Karten-Verkauf ermöglicht, offenbar ein „Systemabsturz“, also ein technisches Problem. Ich solle mich ein paar Minuten gedulden. Geduld ist sicher nicht eine meiner Tugenden. Ich schaute auf die Uhr und wartete nicht ab, sondern begab mich in eine weitere Filiale der Bank, die nur ein paar Hundert Meter weiter situiert war. Und siehe da: Hier funktionierte das System! Allerdings gab es einen enormen Andrang auf die Karten und aus diesem Grund musste die Mitarbeiterin der Bank abwarten, bis sie auf das Kontingent zugreifen könne. Ich glaubte schon, dass aus dem Konzert nichts werden würde. Aber dann die Überraschung: „Ja, jetzt ist etwas frei. Wenn Sie mögen, reserviere ich Ihnen den Platz. Sollte es eine Einzelkarte sein, dann würde ich mir den Platz daneben nehmen.“ Und so kam es, dass ich eine der wohl letzten verfügbaren Karten für das Konzert von R.E.M. in der Staatsoper am 8. Juli 1999 bekam. Beim Konzert saß dann tatsächlich die Bankangestellte neben mir.

Wie ich aus der Zeitung erfuhr, sollen die Karten innerhalb weniger Minuten weg gewesen sein. In meinem Fall konnte ich die Karte ca. 15 Minuten nach Verkaufsbeginn erstehen. Glück braucht der Mensch oder einen „Zufall“, der im richtigen Moment das Glück herausfordert.

Zunächst sorgte Patti Smith für den Start in einen wunderbaren Abend. Das Konzert von R.E.M. war großartig, „Losing my religion“ sang das ganze Publikum inklusive mir voller Inbrunst.

© Jürgen Heimlich