Und noch einmal das rote Notizbuch

Ich wollte meinen ersten Beitrag bei story.one unbedingt dem „roten Notizbuch“ von Paul Auster widmen. Die Erinnerungen an das Prager Autorenfestival 2008 galt es zu manifestieren. Es war nach ein Uhr nachts am 26. Dezember 2018, als ich meine Geschichte vom roten Notizbuch bei story.one veröffentlichte.

Einige Stunden später am darauf folgenden Vormittag beschäftigte ich mich mit der neuen „Autorensolidarität“, einer Zeitschrift für Mitglieder der IG Autorinnen und Autoren, die mich seit vielen Jahren begleitet. Aufgrund des Inhaltsverzeichnisses sprach mich ein Interview mit Gerald Schmickl besonders an. Ich las es also sogleich, und ich war baff. Zum Einen deswegen, weil er – in seiner Eigenschaft als Redakteur für die „Wiener Zeitung“ – selbst schon Zufalls-Geschichten veröffentlicht hat, und zum Anderen, weil er eine solche Geschichte mit dem roten Notizbuch von Paul Auster verknüpfte!

Ermutigt, eine Anekdote zu erzählen, berichtet er, dass er eines Tages in die Redaktion ein Päckchen geliefert bekam, in dem sich das „rote Notizbuch“ von Paul Auster befand. Er habe für kurze Zeit sogar geglaubt, Paul Auster habe es ihm höchstpersönlich geschickt! Aber das handgeschriebene Begleitschreiben legte nahe, dass sich ein Wiener als Paul Auster ausgegeben haben muss. Gerald Schmickl schrieb in der „Wiener Zeitung“ über diese Sache, und der falsche Paul Auster reagierte darauf hin, indem er einen Brief schrieb. Damit nicht genug erhielt Gerald Schmickl wenige Wochen vor dem Interview in der „Autorensolidarität“ einen weiteren Auster-Brief mit Einladung nach New York. Wiederum eine kuriose Korrespondenz...

Ich las das Interview, das auch vom „roten Notizbuch“ erzählt, also nur wenige Stunden, nachdem ich selbst etwas über das „rote Notizbuch“ und was mich damit verbindet, veröffentlicht hatte. Was das Ganze noch besonders reizvoll macht ist, dass Gerald Schmickl schon seit vielen Jahren „Zufalls“-Geschichten sammelt und über die Zufälle, die einem so im Laufe des Lebens passieren oder auffallen, mit einem Gleichgesinnten korrespondiert. Ich habe Gerald Schmickl gefragt, ob ich meine Episode mit ihm auf story.one veröffentlichen darf, und er hat gerne zugestimmt.

Das „rote Notizbuch“ hat letztlich einen doppelten Zufall erzeugt, den ich als perfekten Abschluss meiner „Zufalls“-Reihe auf story.one einstufe. Fast alle meiner hier veröffentlichten Geschichten haben etwas mit „Zufällen“ zu tun. Ich war schon länger auf der Suche nach einer Möglichkeit, meine Zufalls-Geschichten wo unterzubringen. Als ich durch meine Autoren-Kollegin Sonja Schiff auf das Portal aufmerksam wurde, wusste ich sofort, dass ich hier richtig bin. Und so freue ich mich, dass meine Zufalls-Geschichten - aus einem Zufall heraus oder auch nicht – einen würdigen Platz gefunden haben. Story.one sei Dank!

© Jürgen Heimlich