Zusammen eins

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Michael und ich waren bereits zwei Wochen in einem Campervan durch ganz Neuseeland unterwegs. Es war ein von uns ein großer Wunsch dieses Land zusammen zu bereisen. Zahlreiche wunderschöne Orte standen auf unserer Liste. So auch der Mount Taranaki im Westen der Nordinsel Neuseelands.

Schon kilometerweit konnten wir den überaus mächtigen Vulkankegel sehen, deren Spitze von einer Schneehaube bedeckt war.

Wir wollten eine Sonnenaufgangswanderung zu einem wunderschönen Aussichtspunkt machen, von wo aus wir einen atemberaubenden Ausblick auf den Vulkan und die Umgebung haben sollten.

Schon früh morgens, besser gesagt noch bei Mondschein, machten wir uns auf den Weg zum Mangorai Track. Mit Stirnlampen bewaffnet stapften wir einen Holzpfad hoch. Zahlreiche Stufen sorgten dafür, dass sich unsere Müdigkeit schnell in Luft aufgelöst hatte. Die düstere Finsternis im dichten Wald wurde von geheimnisvollem Vogelgezwitscher unterbrochen. Zum Glück gab es hier keine giftigen Tiere. Das beruhigte uns in diesem Moment ungemein. Nach und nach gewöhnten wir uns an die Dunkelheit und setzten einen Fuß nach dem anderen, im Rhythmus unseres Atems. Ohne an etwas anderes zu denken, wie eine Meditation.

Völlig das Zeitgefühl verloren, bemerkten wir, dass auch der Tag schon langsam erwacht war. Es sollte nicht mehr weit sein. Eine bekannte Hütte für Mehrtageswanderer konnten wir bereits von weitem erblicken.

Gerade noch rechtzeitig am Aussichtspunkt angekommen, verfärbte sich der Himmel auch schon in tiefes Puderrosa, bis die ersten Sonnenstrahlen des Tages den weißen Gipfel des Vulkans zum Glühen brachten. Atemberaubend, wunderschön und noch so vieles mehr.

Doch das sollte noch nicht der Höhepunkt des Tages, ja sogar von der ganzen Reise und vielleicht von unserem Leben werden.

Nachdem die Sonne aufgegangen war, spazierten wir noch etwas weiter entlang des Holzpfades zu einem kleinen Teich. Auf der Wasseroberfläche spiegelte sich der Vulkankrater perfekt. Wir waren nicht die Einzigen und so setzten wir uns dazu und genossen noch eine Zeit den Ausblick auf den mächtigen Vulkankegel.

Nach und nach leerte sich der Holzsteg. Nur mehr Michael und ich, sowie zwei andere waren übriggeblieben.

Michael wollte noch unbedingt Erinnerungsfotos von uns machen und bat die junge Frau um Hilfe. Wir standen also am anderen Ende des Teiches, in dem unsere Körper ebenmäßige Spiegelungen an der Wasseroberfläche zeichneten. Im Hintergrund den mächtigen Mount Taranaki.

Ich sollte mich nur eben kurz mal umdrehen. Als ich mich wieder zu Michael drehte, kniete er vor mir und stellte mir die Frage aller Fragen. In seiner Hand eine rote herzförmige Schatulle, darin ein funkelnder Ring.

Ich war einfach nur überwältigt. Ich bekam kaum ein Wort heraus und konnte nichts außer ihn um den Hals zu fallen und seine Frage mit einem zitternden „Ja“ zu besiegeln.

Dieser Moment war und wird mit Anstand einer meiner schönsten im Leben sein. Für immer.

© jules_travel_stories